Krebshilfe K.o.: Internet ist schuld

Von Christian Reinartzbr /Fast ein Vierteljahrhundert haben Veronika Pettirsch-Huder und Karl-Heinz Heil Krebskranke aus Stadt und Kreis Offenbach mit Informationen versorgt, ihre Ängste angehört, getröstet, sie aufgebaut. Damit ist seit Mittwoch, 19 Uhr, Schluss.

Die Rödermarker Walter-Hartmann-Gruppe für Krebshilfe löst sich auf. Schuld daran ist das Internet und die Tatsache, dass sich die Menschen nur noch um sich selbst kümmern, anstatt anderen zu helfen, sagt Psychologin Cornelia Hinrichsen.br /Als Veronika Pettirsch-Huder am Mittwoch die Tür zum Gruppenraum in der Halle Urberach in Rödermark ins Schloss zieht, geht eine Ära zu Ende. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Leidensgenossen Karl-Heinz Heil, dem verstorbenen Walter Hartmann und anderen Betroffenen hat sie die Krebshilfegruppe vor 24 Jahren gegründet. Allein 250 Informationsabende haben sie auf die Beine gestellt. Aus anfänglich einer Hand voll Teilnehmer wurden bis zu 80 engagierte Mitglieder. Heute ist sind nur noch wenige aktiv. "Wir sind zu alt und zu krank, um weiterzumachen", sagt Pettirsch-Huder traurig: "Unsere Arbeit fortführen, will von den Jungen aber niemand."br /Pettirsch-Huder ist überzeugt, dass das Internet am Niedergang der Gruppe Schuld ist. "Die Leute informieren sich doch nur noch in irgendwelche Foren", klagt sie. Dabei birgt das Netz ihrer Meinung nach große Gefahren. Karl-Heinz Heil: "Ich bin immer froh, wenn die Leute kein Internet haben." Diese Flut an Ratschlägen und beängstigenden Informationen könne niemand verarbeiten. "In unserer Selbsthilfegruppe sind immer auch Ärzte und Fachleute anwesend gewesen. Da ist so etwas nicht passiert", argumentiert Pettirsch-Huder.br /Damit, dass es keinen gibt, der die Gruppe weiterführen will, hat sie sich schweren Herzens abgefunden. Obwohl es genug Menschen gibt, die Hilfe brauchen. Von denen scheint sich niemand engagieren zu wollen, so Pettirsch-Huder.br /"Das passt ins Bild", ist sich Ärztin und Psychologin Cornelia Hinrichsen vom Darmstädter Verein "Weiterleben" sicher: "Heute ist sich jeder selbst der nächste." Die erste Garde der Betroffenen habe sich noch für das Wohl anderer engagiert, auch nach ihrer Genesung. Dennoch gebe es weiterhin Anlaufstellen für Krebskranke, wie etwa ihren Verein "Weiterleben". Sowohl in Groß-Umstadt und Reinheim bietet der Beratungen an. Babenhausen ist als Standort in Planung. Hinrichsen: "Den persönliche Kontakt mit anderen Kranken kann kein Internet ersetzen." (siehe Seite z

Kommentare