Hessische Spezialitäten auf dem Prüfstand

Krebsgefahr: Wie sicher sind Frankfurter Würstchen und Co.?

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Friederike Satvary, Chefin der Frankfurter Kult-Metzgerei Gref-Völsings ist ungehalten wegen der Krebsdiskussion: „Man sollte sich lieber mal mit den echten Gefahren des Lebens auseinandersetzen.“

Region Rhein-Main – Frankfurter Würstchen, Rippchen mit Kraut oder die Rindswurst gelten seit vergangener Woche als krebserregend. Bedeutet dies das Aus der hessischen Esskultur?. Von Christian Reinartz

Wurst und haltbar gemachtes Fleisch verursachen Krebs! Diese Meldung beherrscht die Diskussionen zur Zeit nicht nur in Apfelweinwirtschaften und Metzgereien.

Hinter der Warnung steckt die Internationale Agentur für Krebsforschung. Diese stuft nun verarbeitetes Fleisch als krebserregend, rotes Fleisch (Rind, Schwein, Ziege, Lamm) als wahrscheinlich krebserregend ein. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt nun vor dem Genuss.

Für die Menschen in Rhein-Main ein Schock, bestehen doch die Leckereien, auf die der Hesse stolz ist und für sein Leben gern isst, zu größtem Teil aus solchem verarbeiteten Fleisch.

Doch muss man jetzt Angst haben, wenn bislang Leiterchen, Rippchen und Würstchen auf dem Speiseplan standen? „Nein“, sagt Dr. Alexander Mann, Endokrinologe und hessischer Experte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Warnungen, die gerade überall zu hören sind, vermittelten zwar oftmals das Gefühl, dass Fleischgenuss grundsätzlich problematisch sei. „Aber es ist immer die Menge, die das Gift macht“, sagt Mann. Er ist selbst ein Fan der hessischen Küche und lässt sich nicht den Appetit verderben.

600 Gramm Wurst und Fleisch in der Woche sind unbedenklich

„600 Gramm Wurst und Fleisch in der Woche sind unbedenklich. Auch Rippchen oder Frankfurter Würstchen.“ Alles was darüber hinausgeht, könne das Krebsrisiko aber ansteigen lassen. „Das sind aber keine Neuigkeiten. Das wissen wir schon lange“, sagt Mann. Nur jetzt habe es eben die WHO in einer Meta-Studie, bei der mehrere hundert Studien ausgewertet wurden, nochmals in einer Mitteilung herausgegeben.

Die Metzger in Rhein-Main reagieren mit Unverständnis auf die Horrormeldungen. Friederike Satvary, Chefin der Frankfurter Kult-Metzgerei Gref-Völsings an der Hanauer Landstraße, sagt: „Man sollte sich lieber mal mit den echten Gefahren des Lebens auseinandersetzen, anstatt den Leuten Angst vor Fleisch und Wurst zu machen.“ Es sei doch jedem klar, dass es nicht gesund sei, diese in riesigen Mengen zu essen. „Aber wer sich vorher schon daran gehalten hat, der braucht doch jetzt nicht seine Gewohnheit umstellen.“

Welle geht wieder vorbei

Die Rindswurstliebhaber vor Satvarys Laden kann dann auch so schnell nichts aus der Ruhe bringen. „Meine Wurst lass ich mir auch weiterhin schmecken“, sagt Klaus Hellmann, tunkt die dicke Rindswurst in den Senf und beißt genussvoll ab. „Wenn ich alles weglasse, was krebserregend sein soll, dann kann ich nur noch Bio-Karotten und Äpfel essen.“ Marco Schilling am Nachbartisch sieht’s ähnlich: „Gerade die hessischen Fleischgerichte sind für mich ein Hochgenuss, wenn ich auf die verzichten müsste, würde mir was fehlen.“ Beide befürchten jedoch, dass die Krebswarnung Auswirkungen auf die hessischen Klassiker haben wird. „Viele werden es sich jetzt zweimal überlegen, ob sie in Zukunft etwas Gepökeltes essen“, gibt Schilling zu bedenken.

Eine Sorge, die Friederike Satvary nicht teilt. „Ich bin zuversichtlich, dass auch diese Welle wieder vorbeigeht, ohne Spuren zu hinterlassen.“ Damals, als die Angst vor Rinderwahnsinn umging, habe sie es am zurückgehenden Umsatz gemerkt. Bisher sei der aber unverändert. „Die Leute genießen offenbar trotz aller Meldungen unsere Würstchen. Und das wird sicher auch so bleiben.“

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