Bakterien, Parasiten und Viren:

Kranker Badespaß im Ekel-Main

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Verboten: Die Wasserrettung muss immer wieder Hobbyschwimmer aus dem Main holen.

Frankfurt – Neun Frankfurter zog die Wasserschutzpolizei kürzlich aus dem Main, als sie vergnüglich quer durch den Fluss schwammen. Viele unterschätzen die Gefahr. Denn wer nicht ertrinkt, den kann das Mainwasser krank machen. Von Angelika Pöppel

Zum Spaß an einem heißen Sommertag oder leichtsinnig mit ein paar Bier zu viel intus – „wenn das Wetter schön ist oder wenn Feste am Ufer stattfinden, kommen viele auf die Idee, ein Bad im Main zu nehmen“, sagt Christian Giel von der Frankfurter Wasserschutzpolizei. Das ist verboten. Wer freiwillig ins Wasser steigt, muss mit einer Anzeige und bis zu 100 Euro Strafe rechnen. Erst kürzlich holte Giel mit seinen Kollegen neun Hobbyschwimmer aus dem Wasser am Eisernen Steg. Sie schwammen am Nachmittag im Bereich der Fahrrinne. „Kleine Sportboote können nicht so schnell stoppen und Frachter haben einen großen toten Winkel“, warnt Giel.

Bakterienkonzentration weit über dem Grenzwert

Doch das Schwimmen im Main ist auch ungesund: Verschiedene Keime im Wasser können Magen-Darmerkrankungen und Allergien hervorrufen, sogar Organe angreifen. Denn im Schnitt schluckt jeder Schwimmer 50 Milliliter Wasser. Besonders im Main und der Nidda tummeln sich zahlreiche Bakterien, Viren und Parasiten, warnt das Frankfurter Gesundheitsamt. Auch die hochansteckenden Noroviren, die zu schlagartigem Durchfall und heftigem Erbrechen führen, sind im Main nachweisbar. Die Anzahl der E. coli und Fäkalstreptokokken liegt sogar deutlich über dem Badewasser-Grenzwert. Der ist bei 2000 solcher Bakterien pro 100 Milliliter. In bestimmten Main-Abschnitten wurden 2011 aber zwischen 4000 und 15.000 Bakterien auf 100 Milliliter nachgewiesen. In jeder dritten Wasserprobe aus den letzten sieben Jahren fand das Gesundheitsamt auch Salmonellen. Denn neben dem abfließenden Regenwasser von Straßen und Plätzen, gelangen auch Abwässer aus Kläranlagen und von Feldern in den Main.

Die meisten Menschen springen von den Brücken in das Wasser. „Sie sehen nur die Oberfläche und nicht ob jemand an der Stelle ein Fahrrad oder ähnliches reingeworfen hat“, sagt Giel. Am Sachsenhäuser Ufer sei der Main besonders flach: „Dort haben sich schon viele die Knochen gebrochen.“ Dazu landen auch einige unfreiwillig im Wasser: Am vergangenen Montag rammte ein Frachter in der Höhe des Westhafens ein Sportboot. Die vier Insassenstürzten ins Wasser. Sie blieben unverletzt. Doch wer einmal drin ist, kommt so schnell auch nicht mehr raus. Die Mauern sind hoch, nur an wenigen Stellen führen Treppen aus dem Wasser.

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