Am Rosenmontag

Krankentransport: Wenn Narren Priorität haben

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Bei Krankentransporten gibt es manchmal Wartezeiten.

Heusenstamm – „Heute gehen die Narren vor!“ Über diese Aussage ärgert sich Peter Pfeuffer auch Tage nach dem Rosenmontag immer noch maßlos. Der Heusenstammer hatte einen Krankentransport für seine 91-jährige Mutter angefordert – und musste stundenlang warten. Von Norman Körtge

Obwohl kurz danach ein Rettungswagen vor der Tür stand.

Was war passiert? Nachdem seine 91-jährige Mutter vom behandelnden Hausarzt am Rosenmontag eine Überweisung ins Offenbacher Ketteler-Krankenhaus samt Transportschein bekommen hatte, versuchte Sohn Peter Pfeuffer den Krankentransport zu organisieren. In der Leitstelle in Dietzenbach soll dann als Begründung, warum dies nicht sofort gehe, der Satz gefallen sein: „Heute gehen die Narren vor!“ Eine Unverschämtheit, wie Pfeuffer findet.

Wartezeit am Rosenmontag

„Bedauerlicherweise ist die Kommunikation zwischen Leitstelle und Anrufer in diesem Fall nicht optimal gelaufen und wohl der falsche Eindruck entstanden, dass ‘Narren‘ vor anderen Patienten Vorrang hätten. Dies ist natürlich nicht der Fall“, stellt Kordula Egenolf, Sprecherin des Kreises Offenbach, auf Anfrage klar. Der Sachbearbeiter habe sich bemüht die Dringlichkeit zu erfahren und darauf verwiesen, dass auf Grund zahlreicher Aktivitäten am Rosenmontag eine gewisse Wartezeit in Kauf zu nehmen ist. Im Gegensatz zu einem Rettungseinsatz, wo gesetzliche Hilfsfristen einzuhalten sind.

Rettungswagen oder Krankentransport?

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Dennoch habe die Leitstelle einen Rettungswagen aus der Reserve mobilisiert, der eine gute halbe Stunde nach dem Anruf vor Ort war. „Die Kollegen des Rettungswagens haben festgestellt, dass vor Ort keine Notwendigkeit für den Transport im Rettungswagen besteht und auf die Kollegen für die sogenannten nicht qualifizierten Krankentransporte verwiesen“, berichtet Egenolf und erklärt: Normalerweise kennzeichnet der Arzt auf dem auszustellenden Transportschein, ob ein qualifizierter Krankentransport – also mit Betreuung von Fachpersonal – oder ein nicht qualifizierter Transport erforderlich ist. Für die Durchführung nicht qualifizierter Krankentransporte gibt es eigene Anbieter, von Organisationen bis Privatfirmen, weil diese auch über die Krankenkasse zu niedrigeren Kostensätzen abgerechnet werden.

Anspannung in der Leitstelle

„An Tagen mit Großveranstaltungen herrscht in der Leitstelle besondere Anspannung mit erhöhtem Einsatzaufkommen, und es ist auch nachvollziehbar, dass nicht jeder Verständnis für die Prioritäten hat, die unter anderem am Rosenmontag eine Rolle spielen“, erklärt Egenolf.

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