Stadt sieht keine Notwendigkeit einzugreifen

Das Krähen-Schießen in Oberrad geht weiter!

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Anlieger Karl-Heinz Stürmer vom Stadttaubenprojekt hat die Jäger bei der Krähenjagd beobachtet.

Frankfurt – In Frankfurt Oberrad wird wieder scharf geschossen. Schon im Frühjahr hatte dort ein Jäger Krähen gejagt. Nach einem Bericht im EXTRA TIPP war dann Schluss. Jetzt ballern offenbar gleich zwei Jäger und die Stadt schaut zu. Von Christian Reinartz 

Das Krähenschießen in Oberrad geht wieder los. Das hat Anlieger Karl-Heinz Stürmer  vom Stadttaubenprojekt  beobachtet. „Die verstecken sich da zu zweit im Gebüsch und schießen auf Krähen im Anflug auf ein Feld.“ Auf diesem hätten die zwei zuvor etwa 20 Plastikvögel postiert, um echten Krähen einen sicheren Landeplatz zu suggerieren. „Sobald die Vögel ankommen, schießen die“, sagt Stürmer, der die beiden schon mehrmals vom Speckweg aus beobachtet hat. „Das ist ein Unding!“

Und zwar nicht nur, weil Stürmer die Jagd auf die Vögel ansich ablehnt. „Die schießen hier in einem Gebiet, das von vielen Spaziergängern und Radlern genutzt wird. Das ist doch gefährlich.“

Und wirklich: Innerhalb von nur 15 Minuten passieren zwölf Radler und sechs Spaziergänger, meist mit Hund, das Feld, auf dem die Jäger auf die Krähen schießen.

Beim zuständigen Ordnungsamt der Stadt wiegelt Sprecher Ralph Rohr ab. „Dieses Gebiet ist ein ganz normales Jagdrevier. Also darf dort auch auf Krähen geschossen werden, wenn der Jagdpächter das als nötig ansieht.“

Beim Frankfurter Naturschutzbund sieht Ingolf Grabow  das anders. „Dort leben zahlreiche Saatkrähen, die sehr selten sind und unter Artenschutz stehen“, sagt der Vogelexperte. Er selbst verfolge die Population vor Ort und habe schon im Frühjahr festgestellt, dass sich normale Krähen und die geschützten Saatkrähen in Oberrad vermischen. „Das ist in Siedlungsgebieten häufig der Fall“, versichert Grabow.

Weiterhin wird Schrot verwendet

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Im Klartext heißt das: Wenn zahlreiche Krähen im Schwarm anfliegen, muss der Jäger in Sekundenbruchteilen erkennen, ob Saatkrähen darunter sind oder nicht. Diese Unterscheiden sich durch ein dunkelgraues Gesicht von ihren normalen Artgenossen. Selbst ausgewiesene Vogelkundler könnten in einer solch kurzen Zeit nicht zuverlässig sicherstellen, dass keine geschützte Art darunter ist, versichert Grabow. „Im Zweifelsfall sollte dann nicht geschossen werden. Und in keinem Fall mit Schrot.“

Bei der unteren Naturschutzbehörde der Stadt misst man der Problematik indes wohl mehr Bedeutung zu, als im Ordnungsamt. Christa Mehl-Rouschal, zuständig für Artenschutz, versteht Grabows Einwände. „Ich habe mich mit der Jagdbehörde im Ordnungsamt verständigt“, sagt sie. „Der Jagdpächter wird informiert, das sicherzustellen ist, dass keine Saatkrähen geschossen werden und dass kein Schrot verwendet wird.“

Doch der führt, laut Ordnungsamt, an, dass Schrot für die Umgebung sicherer sei. Eine normale Kugel würde eine Krähe durchschlagen und weiterfliegen, heißt es im Ordnungsamt. Deswegen würde auch weiterhin Schrot verwendet, um die Krähen zu töten. Es bleibe nichts anderes übrig, als sich auf das Wort des jeweiligen Schützen zu verlassen, dass keine Saatkrähen getroffen werden. Ralph Rohr: „Immerhin sind das ja ausgebildete Jäger. Da muss man drauf vertrauen, dass sie wissen, was sie tun.“

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