Konfirmanden-Unterricht:  Kirchen wollen festen Dienstag

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Den verbindlichen Konfirmanden-Unterricht am Dienstagnachmittag gibt es seit November nicht mehr. Darüber sind viele Gemeinden unzufrieden.

Taunus – Wer evangelisch ist, hat jeden Dienstag einen festen Termin: Den Konfirmanden-Unterricht. Seit vielen Jahren bereiten sich junge Menschen an diesem Tag auf ihre Konfirmation vor. Eine neue Regelung drohte, das zu kippen. Von Julia Renner

Jetzt wird es beim Dienstagnachmittags-Unterricht bleiben. Zumindest vorerst. Doch zufrieden sind die evangelischen Gemeinden im Taunus nicht. Die „Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen“ ist es, die den Geistlichen im Taunus Kopfzerbrechen bereitet. Im November 2011 erlassen, sieht Hans Genthe, Sprecher des Evangelischen Dekanats Kronberg, noch Probleme auf die Gemeinden zukommen.

Denn den verbindlichen Dienstagnachmittag gibt es für die Kirchen dann nicht mehr. In der besagten Richtlinie hat das hessische Kultusministerium festgelegt, wie die Ganztagsarbeit an Schulen gestaltet werden soll. Und darin ist nur noch von einem freien Nachmittag pro Woche für Firmung oder Konfirmation die Rede. Ein konkreter Tag wird nicht benannt. „Von Wiesbaden aus sollte das nicht zentral festgelegt werden. So sollte etwas Flexibilität hinein gebracht werden“, sagt Ministeriumssprecher Horst Günter Herold. Den Tag können also Schulen und Kirchengemeinden vor Ort absprechen.

Und genau das könnte in der Praxis zum Problem werden, fürchten Pfarrer. Ein Konfirmanden-Jahrgang, sieben Schulen: Das ist die Situation, mit der sich Pfarrer Moritz Mittag aus Eppstein-Bremthal konfrontiert sah. Zusammen mit sieben Schulen hätte er also einen freien Nachmittag finden müssen. Viele Pfarrer gingen wegen dieses Aufwands auf die Barrikaden.

Verbindlicher Nachmittag ist das Ziel der Gemeinden

Mittlerweile haben 14 von 15 staatlichen Schulämtern in Hessen erfolgreich als Vermittler fungiert: Dort wird die Dienstags-Regelung bestehen bleiben. Auch im Taunus wird es beim Dienstag bleiben.

Pfarrer Mittag reicht das aber nicht. Ihm wäre es lieber, wenn das Land Hessen einen verbindlichen Nachmittag für den Konfirmanden-Unterricht festlegen würde. Denn: „So ist alles vom guten Willen einiger Menschen abhängig.“ Erstmal sei er zwar zufrieden, betont er. Aber mit einem neuen Leiter eines Schulamtes könnte sich diese neue Absprache wieder ändern.

Das Evangelische Dekanat Kronberg hat deshalb einen offenen Brief an das Kultusministerium geschrieben. Darin fordern die 30 Kirchengemeinden des Dekanats, die neue Richtlinie wieder aufzuheben. Schließlich, so sagt Dekanats-Sprecher Genthe, sei der Konfirmanden-Unterricht ein „Bildungsangebot, das Werteorientierung geben soll“. Und das könne die Schule nicht leisten.

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