Knöllchen-Terror in Seligenstadt: „Willkür muss aufhören!“

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An dieser Stelle erhielt Martina Gsellmann ein Knöllchen, weil sie den Verkehr behindert haben soll.

Seligenstadt – Martina Gsellmann hat eine Anwohner-Vignette für die Seligenstädter Gerbergasse, doch auf dem einzigen möglichen Platz in der Gasse bekommt sie immer wieder ein Knöllchen. Als sie sich beschweren will, bekommt sie im Ordnungsamt offenbar pampige Antworten. Von Christian Reinartz

25 Euro hat Gsellmann für ihre gelbe Parkvignette bei der Stadt Seligenstadt bezahlt. Im Gegenzug darf sie, so steht es eindeutig auf dem Formular, auch in der Gerbergasse parken. Die ist so eng, dass es in der ganzen Gasse aber nur einen möglichen Stellplatz gibt. Doch als sie dort arglos parkt, hängt schnell ein Knöllchen an der Scheibe. Sie beschwert sich, das Knöllchen wird zurückgezogen. „Ich habe gedacht, das war alles nur ein Irrtum“, sagt Gsellmann. Bis sie wieder einen Strafzettel verpasst bekommt.

Sie eilt ins Rathaus, will die Sache klären. Doch die Mitarbeiter zeigen sich stur. Gsellmann habe den Verkehr behindert.

Als sie zum Chef vorgelassen wird, soll sich folgendes zugetragen haben. „Erst hat er mir gesagt, dass ich besser nochmal in die Fahrschule gehen müsste“, sagt Gsellmann. Als sie ihn dann auf den Widerspruch in der Parkerlaubnis aufmerksam macht, sei er wütend geworden. „Er hat mir gedroht, ich würde, wenn ich mich weiter beschwere, keine Park-Vignette mehr erhalten.“ Zudem wollte er die Gerbergasse von der Liste streichen. „Als ich dann mit der Presse gedroht habe, wollte er auf einmal mit mir in Ruhe reden“, sagt Gsellmann: „Aber nicht mit mir. Jeder soll erfahren, welche Willkür im Rathaus herrscht.“

Verweis auf die Straßenverkehrsordnung

Die verantwortliche Stadträtin Claudia Bicherl verteidigt ihren Ordnungsamtschef und verweist auf die Straßenverkehrsordnung: „Frau Gsellmann parkte im Kreuzungsbereich in der Gerbergasse Ecke Palatiumstraße. Dies ist eine enge und unübersichtliche Stelle, an der Parken zur Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer führt.“

Warum in dem Formular ausdrücklich aufgeführt ist, dass die gelbe Vignette für die Gerbergasse gilt, dafür hat die Stadt ihre ganz eigene Erklärung: Die Gerbergasse sei nur in der Aufzählung enthalten, weil man sonst den Bewohnern der Gerbergasse keine Vignette ausstellen dürfe, so Bicherl.

Zudem habe ihr Ordnungsamtschef die vorgeworfenen Dinge nie gesagt. Lediglich habe er darauf verwiesen, dass man so etwas in der Fahrschule lerne. Die Androhung, keine Vignette mehr auszustellen, habe es nie gegeben, behauptet Bicherl.

Für Gsellmann ist das nur eine plumpe Ausrede. Sie erwägt nun, die gesamte Parkplatzsituation in der Altstadt juristisch überprüfen zu lassen: „Denn hier parkt kaum ein Auto nach der Straßenverkehrsordnung, weil die Altstadt so eng ist. Und die bekommen ja auch keine Knöllchen.“

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