Streit um jeden Liter

Mülltonne zu klein: Dietzenbacher Manfred Fitz fühlt sich betrogen

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Manfred Fitz ist sauer auf die Stadt: Seine Tonne fasst weniger als 50 Liter. Er hat es selbst nachgemessen.

Dietzenbach – Manfred Fitz fühlt sich von der Stadtverwaltung verschaukelt. In seine 50-Liter-Mülltonne passen nach seinen Angaben nur 45. Die Stadt behauptet, dass der Tonnendeckel die restlichen fünf Liter fassen würde. Das hält Fitz für eine Ausrede. Von Fabienne Seibel und Christian Reinartz

Manfred Fitz ist sauer: „Ich fühle mich von der Stadt betrogen. Wenn ich für eine Mülltonne mit 50 Litern Fassungsvermögen bezahle, dann will ich auch 50 Liter Tonne zur Verfügung haben“, sagt Manfred Fitz. Der 70-Jährige liegt seit September mit der Stadt Dietzenbach im Streit. Grund: Als im vergangenen Jahr in Dietzenbach neue Mülltonnen eingeführt wurden, stellt Fitz fest, dass in seine 50-Liter-Tonne tatsächlich nur 45 Liter reinpassen. Er beschwert sich deshalb bei der Stadtverwaltung, die ihm daraufhin eine neue Tonne zur Verfügung stellt. Doch Fitz misst nach und kommt zu dem Schluss: Auch die neue Tonne hat nur ein Fassungsvermögen von 45 Litern. Verärgert wendet er sich an die Verwaltung. „Aber die haben mir nur gesagt, ich könne nicht rechnen.“

Dietzenbacher bleibt hartnäckig

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Erst als Fitz hartnäckig bleibt, messen die Städtischen Betriebe der Kreisstadt noch einmal selbst nach. Ergebnis: In die Tonne inklusive Deckelvolumen passen angeblich sogar 50,8 Liter. Geschäftsführer Christian Locke: „Unsere Tonnen sind DIN-zertifiziert.“ Das habe er sich extra noch einmal vom Hersteller bestätigen lassen. Von einer generellen Abweichung will er nichts wissen. „Wir haben hier bisher lediglich fünf Fälle gehabt, bei denen sich Leute über zu geringen Tonneninhalt beschwert haben.“
Für Manfred Fitz sind das alles fadenscheinige Ausflüchte. Zum Beweis schüttet er Wasser in den Tonnendeckel hinein. „Wenn ich den Tonnenrand abziehe, der in den zugeklappten Deckel hineinragt, komme ich auch noch nicht auf 50 Liter“, sagt Fitz. Besonders ärgert ihn, dass die Stadt offenbar davon ausgeht, dass die Menschen „Formmüll“ produzieren, der genau in die Deckelrundung passt. „Denn wenn der Deckel auch nur etwas offensteht, dann wird der Müll von denen nicht mitgenommen“, sagt Fitz.

Beschwichtigung der städtischen Betriebe

Als der EXTRA TIPP Geschäftsführer Christian Locke fragt, wie man einerseits die 50-Liter ausnutzen kann, ohne den Deckel offen stehen zu lassen, versucht er zu beschwichtigen: „Fünf Zentimeter darf der Deckel überstehen. Das ist für uns in Ordnung.“

Sollten die Messungen von Manfred Fitz tatsächlich auf alle Dietzenbacher 50-Liter-Tonnen zutreffen, könnte der Stadt Ärger ins Haus stehen. Denn laut dem Leiter der Marktüberwachung der Eichdirektion Darmstadt, Reinhard Hund, ist ein Gesetz in der Diskussion, das vorsieht, auch Müllbehälter in Zukunft zu eichen. „Dann müssten mindestens genauso viele Behälter über den 50 Litern liegen wie darunter.“ Läge die Mehrzahl darunter, sei das zu bemängeln.

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