Kleingärtner in Asbest-Angst: Spielt der Kreis die Gefahr runter?

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Kleingärtner in Seligenstadt haben Angst vor Asbest und glauben, dass der Kreis die Gefahr herunterspielt.

Seligenstadt – In einer Kleingartenkolonie in Seligenstadt lagert haufenweise giftiger Asbest-Bauschutt. Als sich Nachbarn hilfesuchend an die Kreis-Naturschutzbehörde wenden, weist das Amt sie ab. Jetzt ist ein Teil des Gift-Schutts verschwunden. Von Christian Reinartz

Asbest-Angst in der Nähe des Seligenstädter Wasserturms.

Es sind diese kleinen Fasern, die den Krebs auslösen. Werden sie eingeatmet, dringen sie bis in die kleinsten Lungenbläschen vor, bohren sich dort ins Gewebe und beginnen ihr giftiges Werk. Nicht umsonst werden immer wieder ganze Schulen dicht gemacht, wenn Asbest gefunden wird. Nur unter höchstenSicherheitsvorkehrungen darf der Gift-Baustoff entfernt werden, muss in luftdichten Plastiksäcken abtransportiert werden.

Dennoch hält es die Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach offenbar nicht für nötig etwas zu unternehmen, wenn in einer Seligenstädter Kleingartenkolonie haufenweise Asbest lagert, unter freiem Himmel, für jeden zugänglich.

„Die haben das einfach abgebügelt und gesagt, es gäbe da keinen Handlungsbedarf“, sagt ein verängstigter Anwohner, ein anderer pflichtet ihm bei. Beide fühlen sich vom Kreis im Stich gelassen. „Dabei habe ich denen sogar vier Fotos geschickt von dem Schutt“, sagt der Beschwerdeführer. Die Untätigkeit des Kreises ist für ihn unfassbar: „Da ist nicht mal jemand rausgefahren und hat sich das vor Ort angeschaut.“ Seinen Namen will der Mann nicht veröffentlicht sehen. Aus Angst vor Anfeindungen durch die Asbest-Sünder.

Die Asbest-Platten sind plötzlich spurlos verschwunden

Seit vergangenem Sonntag ist ein Teil des Asbests spurlos verschwunden. Keiner weiß wohin. Ob es einen Entsorgungs-Nachweis gibt oder ob der Giftmüll illegal vergraben wurde, hat der Kreis bis heute nicht abschließend überprüft.

Kreissprecherin Kordula Egenolf nimmt ihre Kollegen in Schutz: „Die Lagerung selbst stellt keine Gefahr für die Umwelt oder die Nachbarschaft dar.“ Aufgrund der Beschwerde habe am Montag ein gemeinsamer Ortstermin stattgefunden. „Dem Nutzer wurde aufgegeben, entweder einen Nachweis darüber zu führen, dass die dort lagernden Platten frei von Asbest sind, oder diese ordnungsgemäß zu entsorgen.“ Das sei schriftlich nachzuweisen.

Den Nachbarn reicht das nicht: „Die lassen uns mit unserer Angst einfach alleine.“

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