Ab in die Klapse: Kiffer-Teens immer irrer

Die Zahlen sind alarmierend. Wie der Landeswohlfahrtverband Hessen berichtet, haben sich die Behandlungsfälle bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren verdreifacht.

Wurden 1990 rund 740 Fälle in Hessen registriert, waren es im vergangenen Jahr schon 2.435.Einen immer größeren Anteil bei Klinikeinweisungen spielt der gestiegene Cannabis-Konsum unter Jugendlichen. Denise Jacoby von der Techniker Krankenkasse meldet, dass allein im ersten Halbjahr 2008 rund 30 jugendliche Kiffer in Hessen eingewiesen werden mussten. 25 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Regelmäßiger Cannabiskonsum kann das Risiko, an Psychosen wie beispielsweise Wahnvorstellungen oder Halluzinationen zu erkranken um 40 Prozent erhöhen", berichtet Jacoby."Der Konsum von Cannabis wird oft verharmlost", sagt Dr. Eberhard Meyer, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Riedstadt. Zum Einzugsgebiet des Philippshospitals gehören auch Stadt und Landkreis Offenbach.Die Gefahr beim Cannabis gehe davon aus, dass die Konzentration des Wirkstoffs THC in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. "Das ist nicht mehr vergleichbar mit dem Cannabis von früher", warnt Dr. Meyer.Noch sind die meisten Ursachen für psychische Probleme aber im Familiensystem zu finden. "Man kann fast darauf wetten, dass in solchen Fällen die Eltern nicht mehr zusammen sind", sagt Diethelm Sannwald, Leiter des Diakonischen Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach. Denn meist sind es Trennungskinder, die die frühe Scheidung ihrer Eltern nie richtig verarbeitet haben. Zum Ausbruch kommt es schließlich in der Pubertät, wenn sie versuchen ihren eigenen Weg zu gehen. "Bei einer bröckeligen Basis ist das Freistrampeln schwieriger", erklärt Sannwald.Häufig sind junge Frauen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren betroffen. Sie leiden unter Depressionen oder Essstörungen, ritzen sich mit scharfen Gegenständen Wunden in die Haut und im schlimmsten Fall versuchen sie sich sogar umzubringen.Weitere Auslöser sind für Dr. Meyer â?? der von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen spricht â??, auch einseitiger Leistungsdruck von Seiten der Eltern sowie übermäßiger Medienkonsum. Dabei besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche sich in virtuelle Scheinwelten zurückziehen.Die massive Anstieg an Fällen hat Folgen. "Die spezialisierten Praxen sind völlig überlaufen", berichtet Sannwald. Das bestätigt auch Dr. Meyer. In Riedstadt beträgt die Wartezeit für eine stationäre Aufnahme bei drei Monaten und sechs bis acht Wochen bei ambulanter Versorgung. Mit einer Verbesserung der Situation rechnet Meyer derzeit nicht. Er befürchtet weitere steigende Fallzahlen.

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