Viagra Fälle: Bad Homburger schlucken offenbar häufiger Potenzmittel 

Alles senkrecht beim Bad Homburger Abwasser?

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Das Potenzmittel Viagra.

Bad Homburg – Bad Homburger schlucken offenbar häufiger Viagra als andere Bewohner des Rhein-Main-Gebiets. Hat es seine Wirkung getan, nimmt es den Weg über die Toilette in die örtliche Kläranlage. Von Christian Reinartz

Dort haben Wissenschaftler für eine Studie über einen längeren Zeitraum Proben in mehreren Städten der Region genommen. Das Ergebnis: Die Werte des Viagra-Wirkstoffs Sindenafil sind in Bad Homburg mit Abstand am höchsten.

Proben verraten Prikäres

Alt, privatversichert, wohlhabend – das ist die typische Viagra-Klientel. Und auch in Bad Homburg verkörpern überproportional viele Einwohner diesen Typus. Und weil sich die Bad Homburger die teuren Potenzpillen schlichtweg leisten können, ist auch die Kanalisation voll davon. Zumindest voller als in anderen Städten des Rhein-Main-Gebiets. Zu diesem Schluss kommt eine groß angelegte Studie der Idsteiner Fresenius-Universität und der spanischen Universität Rovira i Virgili in Tarragona. Die Wissenschaftler hatten über einen längeren Zeitraum in regelmäßigen Abständen Proben direkt aus der Bad Homburger Kläranlage genommen und die Medikamentenrückstände im Klärwasser mit denen anderer Städte des Rhein-Main-Gebiets und Spaniens verglichen. Das Ergebnis war eindeutig. Während in Frankfurt etwa acht Nanogramm pro Liter nachgewiesen werden konnten, liegt der Wert in Bad Homburg bei knapp unter 20. Mehr als das Doppelte. Im Vergleich mit Wiesbaden ist er sogar um das Dreifache erhöht. Zu den Mengenangaben für Sindenafil kommen auch noch die nachgewiesenen Wirkstoffe anderer Potenzmittel wie Vardenafil und Tadalafil.

Abwasser wird nach gesetzlichen Vorlagen kontrolliert

Warum die Messungen auf diese Art durchgeführt wurden, erklärt Sebastian Wysocki, stellvertretender Sprecher des Hessischen Umweltministeriums: „Es gibt bisher keine Grenzwerte.“ Deswegen sei das Wasser bisher auch nicht daraufhin untersucht worden.

Ungeklärt ist, ob man im Rathaus über die Studienergebnisse unterrichtet wurde. Dort gibt man sich zumindest offiziell ahnungslos. Dennoch will sich Stadtsprecher Andreas Möring „zu diesem diffizilen Thema“ ausschließlich schriftlich äußern: „Wir prüfen Abwasser und Trinkwasser nach den gesetzlichen Vorgaben. Eine Prüfung auf Medikamentenrückstände ist nicht vorgeschrieben.“ Zum Anteil von Medikamenten-Rückständen im Abwasser gebe es zudem keine aussagekräftigen Vergleiche zu anderen Städten. Die Annahme bleibe spekulativ und sei nicht durch Zahlen untermauert, so Möring.

Widerspruch vom Amt

Dem widerspricht Sebastian Wysocki, dessen Landsamt für Umwelt und Geologie die Messungen mit durchgeführt hat: „Auch wenn die Werte sehr niedrig sind. Die Studie zeigt eindeutig erhöhte Werte für Bad Homburg.“

Und auch Peter Cornell, Professor für Abwassertechnik der Technischen Universität Darmstadt stellt klar: „Abwasser ohne solche Rückstände gibt es nicht. Und man sollte diese auch ernst nehmen, wenn sie nur in geringer Konzentration vorliegen.“ Die Auswirkungen seien zwar unerforscht. „Aber wir wissen schon jetzt, dass ganze Aquapopulationen durch Hormonrückstände im Wasser verweiblichen.“

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