Stadt sieht seit Jahren untätig zu

Kläff-Terror im Buchenbusch

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Keine Ruhe auf dem Balkon: Lore Sievert (rechts) und Andrea Geffke sind vom Lärm-Terror des Nachbarhundes genervt.

Neu-Isenburg – Lore Sieverts Leben am Neu-Isenburger Buchenbusch ist Lärm. Von morgens bis abends werden sie und 20 weitere Anwohner vom Nachbarhund terrorisiert. Der bellt stundenlang im Hof. Ohne Pause. Immer wieder hat Sievert die Stadt Neu-Isenburg um Hilfe gebeten. Doch passiert ist nichts. Als sie den EXTRA TIPP einschaltet, geht auf einmal alles ganz schnell. VonChristian Reinartz

„Ich habe mich so hilflos gefühlt“, sagt Lore Sievert und schaut traurig: „Wer soll denn etwas unternehmen, wenn nicht das Ordnungsamt? Ich selbst habe Angst vor diesem großen Hund.“ Auch ihre Nachbarin Andrea Geffke ist von dem Gebell des riesigen Schäferhundes seit vielen Jahren genervt.

Auf Gespräche sei der als unfreundlich beschriebene Besitzer nicht eingegangen, so Geffke. „Der hat uns dumme Antworten gegeben und gesagt, dass Hunde halt bellen“, erinnert sich eine weitere Nachbarin, die nicht mit Namen genannt werden will. Sie hat Angst vor Racheakten. Auch ein Schreiben mit über 20 Unterschriften von Nachbarn und Anwohnern an das Kläffer-Herrchen habe keine Wirkung gezeigt. Selbst als der EXTRA TIPP bei ihm klingelt und um eine Stellungnahme bitten will, macht er nicht auf.

Hundegebell rund um die Uhr

Als letztes Mittel haben die Nachbarn nun ein Lärmprotokoll angefertigt und drei Monate lang akribisch geführt. Was dort geschrieben steht,ist erschreckend: Jeden Tag bellt der Hund an die neun Stunden. Immer in denselben Zeitintervallen. Meist von 6.15 Uhr bis 7.45 Uhr. Dann wieder von 10.30 bis 14 Uhr und erneut von 16.30 bis 22.15 Uhr. „Danach kann man fast die Uhr stellen“, sagt Geffke. „Es ist unmöglich auf dem Balkon zu sitzen und sich zu unterhalten.“

Ordnungsamt schaltet sich endlich ein

Für den Schäferhundbesitzer dürfte es jetzt eng werden. Die Stadt Neu-Isenburg hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Mann erhoben. Die Begründung der Stadt, warum sie nicht schon in den vergangenen Jahren eingeschritten sei, mutet abenteuerlich an. Stadtsprecherin Imke Voth: „Uns liegt erst seit Mitte Februar eine schriftliche Anzeige vor. Vorher können wir nicht tätig werden.“ Dass die Mitarbeiter aber schon lange vorher von dem Lärm-Terror Kenntnis hatten, räumt sie ein. Für Lore Sievert sind das faule Ausreden: „Wir habe mindestens fünfmal dort angerufen. Da kann man doch reagieren und dem Mann erklären, dass er was ändern muss.“

"Wir wollen nicht, dass er ihn weggeben muss!"

Mehr wollen die Nachbarn, unter denen selbst viele Hundeliebhaber sind, nämlich gar nicht. Sie fordern, dass ihr Nachbar mit seinem Haustier eine Hundeschule besucht, um ihm das unkontrollierte Dauerkläffen abzugewöhnen. Sievert: „Wir wollen nicht, dass er ihn weggeben muss, aber so ist das nicht mehr auszuhalten.“

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