In Dieburg sterben die Tiere

Kiloweise tote Fische: Extreme Trockenheit fordert erste Opfer

+

Dieburg – Dieburger, die in der Nähe des Schlossgartens wohnen haben in dieser Woche Alarm geschlagen: Sie hatten kiloweise tote Fische in der Gersprenz entdeckt. Grund: Die anhaltende Trockenheit.

Einige Rotaale, Gründlinge, Brassen und Forellen waren nicht mehr zu retten. „Wir steuern auf eine Notsituation zu“, warnt der Münsterer Klaus Däschler, Vorsitzender des Angelsportvereins Münster und erster Mann im Verband Hessischer Fischer (VHF). Die anhaltende Trockenheit, aber auch hausgemachte Fehler drohten, aus der im Odenwald entspringenden, auch durch Groß-Zimmern, Dieburg und Münster fließenden und später in den Main mündenden Gersprenz ein ziemlich totes Rinnsal zu machen.

Früher, habe er sich etwa von Groß-Zimmerner Angelsport-Freunden sagen lassen, sei der wohl bekannteste Fluss im östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg mancherorts bis zu drei Meter tief gewesen. Heute könne man froh sein, wenn die Tiefe zumindest einigermaßen durchgehend bei einem Meter liege. Hinter dem Vereinsheim der Münsterer Angler ist das längst nicht mehr der Fall: Kaum 30 Zentimeter tief ist hier das Wasser. Von „Fließen“ kann dort ebenfalls kaum mehr die Rede sein – das mehr als 20 Grad warme Nass bewegt sich nur noch leicht, steht beinahe.

Massives Fischsterben

Die Folge könne ein massives Fischsterben werden, für das die Entdeckung vom Dienstag nur ein Vorläufer sei, fürchtet Däschler. Zwar sei die anhaltende Trockenheit außergewöhnlich, gibt er zu. Der Mensch trage durch Unterlassung bestimmter Maßnahmen und auch durch Eingriffe in die Gersprenz aber zu deren derzeitiger Krise bei.

Als Hauptproblem betrachtet Däschler die fehlende Vertiefung des Flussbetts. Die Gersprenz müsse vielerorts auf 80 bis 100 Zentimeter ausgehoben, Sedimente immer wieder entfernt werden. „Die Maßnahmen der bisherigen Renaturierung sind schön und gut“, sagt er. „Die Hauptsache wird aber vernachlässigt.“ Nur dort, wo das Wasser ein ausreichendes Bett finde, könne es auch fließen und eine Tiefe erreichen, die auch größeren Fischen gerecht werde. In der Gersprenz sind neben Aalen, Gründlingen, Brassen und den mit Landesmitteln vermehrten heimischen Forellen auch Welse, Karpfen, Rotaugen und sogar Hechte zuhause. „Wenn das Flussbett Platz für einen Meter Wassertiefe bietet, sind es bei starker Trockenheit zumindest noch 40, 50 Zentimeter.“ Das reiche auch älteren Exemplaren, die für die Reproduktion entscheidend seien, noch immer aus. Werde es wie jetzt weniger, drohten diese Fische im erwärmten, zu niedrigen und sauerstoffarmen Gersprenz-Wasser zu verenden. „Wenn wir diese Großtiere zentnerweise verlieren, dauert es Jahre, bis sich der Bestand wieder erholt hat“, fürchtet Däschler.

Flussbett zu niedrig

Neben den zu niedrigen Flussbetten seien zudem schlecht gewartete und gepflegte Schleusen, Wehre und Gitter problematisch. Und die Entnahme von Wasser für die Landwirtschaft und private Gärten. „Das Wasser wird meistens dort entnommen, wo es in größeren Löchern noch etwas tiefer, zum Beispiel einen halben Meter, steht. Gerade dort aber sammeln sich dann die größeren Fische“, sagt Däschler. Sein Aufruf: „Eher mal braune Stellen auf dem heimischen Garten akzeptieren statt mit der Entnahme von Wasser die Gersprenz-Krise und die Bedrohung der Fischwelt noch zu befördern."

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare