Kurz vor der Obdachlosigkeit

80 Absagen! Keine Wohnung für Familie mit Kind und Hund

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Danny Anke und Katharina Werner sind verzweifelt, Tochter Mira und Hund Buddy ahnen nichts davon.
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Region Rhein-Main – 80 Wohnungsbesichtigungen haben Katharina Werner und Danny Anke hinter sich. Aber das junge Paar findet im Rhein-Main-Gebiet keine Bleibe. Am Geld liegt es nicht. Keiner will ein junges Pärchen mit Kind und Hund. Nun stehen sie vor der Obachlosigkeit. Von Christian Reinartz

Danny Anke und Katharina Werner sind am Ende. 80 Wohnungsbesichtigungen haben sie hinter sich, 80 Mal haben sie eine Absage kassiert. Obwohl sie 850 Euro Warmmiete zahlen können und schon mit einer Wohnung mit bescheidenen 65 Quadratmetern zufrieden sind. „Es sind immer wieder dieselben zwei Gründe“, sagt Danny Anke. „Entweder die Vermieter wollen kein kleines Kind im Haus oder keinen Hund.“

Als ihr Lebensgefährte das sagt, schießen Katharina Werner Tränen in die Augen. Sie hat Angst. Angst davor, mit ihrer Tochter ins Frauenhaus zu müssen. Sozialwohnungen in Dietzenbach und Mühlheim seien keine frei, habe ihr der zuständige Sachbearbeiter beim Kreis Offenbach erklärt. „Der hat dort angerufen und mir dann gesagt, dass ich dann nur noch ins Frauenhaus gehen könnte.“ Sie streichelt mit zitternder Hand über den Kopf ihrer Tochter Mira. Die ist fast zwei Jahre alt und ein ruhiges Kind. Auch Hund Buddy ist zwar groß und eine Amerikanische Bulldogge, hat aber das träge Gemüt eines Bernhardiners. „Aber das interessiert die Vermieter gar nicht. Die wollen am liebsten nur Singles“, sagt Anke. „Dabei brauchen wir wirklich so dringend eine Wohnung. Uns bleiben nur noch knapp zwei Wochen.“

Kreis will nicht helfen

Beim Kreis Offenbach bestreitet Sprecher Ralf Krambs, dass eine solche Unterhaltung stattgefunden habe: „Nach eingehender Recherche stellen wir fest, dass die Aussagen nicht getätigt wurden.“ Als der EXTRA TIPP nicht locker lässt, kommt heraus: „Der Sacharbeiter hat sich im Rahmen einer nett gemeinten, unterstützenden Geste bei einer Gemeinde nach einer freien Sozialwohnung erkundigt. Dieser Anruf zieht jedoch keinerlei gesetzliche Verpflichtungen des Kreises beziehungsweise der Pro Arbeit nach sich.“

Den Dietzenbachern weiterhelfen, will der Kreis also offenbar nicht. Krambs: „Die Pro Arbeit und der Kreis Offenbach helfen der jungen Familie im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen des SGB II. Eine Tätigkeit der Optionskommunen auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt im Zusammenhang mit Menschen im SGB II-Bezug sieht der Gesetzgeber nicht vor.“

Danny Anke will es nun weiter versuchen, besichtigt jeden Tag gleich zwei Wohnungen nach Dienstschluss. Er hat eine festen Job als Fahrzeuglackierer, Werner erhält Unterstützung vom Amt. „Es kommt uns nicht aufs Geld an“, sagt der Familienvater. Trotzdem haben die drei bisher keinen Mietvertrag in der Tasche. „Dabei suche ich schon im ganzen Rhein-Main-Gebiet“, sagt Danny Anke. „Am besten wäre natürlich etwas in Mühlheim, wo ich arbeite“, aber wir sind da nicht festgelegt. Hauptsache wir finden überhaupt eine Wohnung.“

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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