Frankfurt hat keine Wohnung frei

Fünfköpfige Familie muss ins Obdachlosenheim 

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Beate Bollmann (vorne) mit ihren vier kleinen Kindern, ihrer ältesten Tochter Sina Bacon (hinten) und ihrer eigenen Mutter Sieglinde Schmitt.

Frankfurt – Eine alleinerziehende Mutter mit vier kleinen Kindern steht vor der Obachlosigkeit. Doch anstatt ihr schnell eine geförderte Wohnung zu besorgen, verweist die Stadt alle ans Obdachlosenheim. Der Grund: Es gibt laut Wohnungsamt keine passende Bleibe. Von Christian Reinartz 

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 "Zu wenige Sozialwohnungen"

Beate Bollmanns Augen sehen verweint aus. Als sie noch einmal den Brief durchliest, den sie von Oberbürgermeister Peter Feldmann erhalten hat, kann man ihr die Angst ansehen. Die Angst davor, mit ihren vier kleinen Kindern in eine Notunterkunft zu müssen. Denn genau das wird ihr als letzter Ausweg von der Stadt nahegelegt. „Aber ich kenne diese Obdachlosenheime“, sagt Bollmann. „Ich kann doch mit meinen Kindern nicht in ein solches Umfeld. Wir sind jetzt schon ständig umgezogen. Die Kinder haben doch nie die Chance irgendwo anzukommen.“

Aber was ist passiert? Die Mutter von fünf Kindern zieht vor über einem Jahr aus einer Notlage heraus nach Frankfurt, in die Wohnung ihrer eigenen Mutter und ihrer ältesten Tochter. Von dort will sie eine eigenen Wohnung suchen, scheitert aber am Frankfurter Wohnungsmarkt. „Das ist alles zu teuer. Das kann ich nicht bezahlen“, sagt Bollmann, die lediglich Unterhaltsvorschuss und Kindergeld vom Amt bezieht. Die Wohnung ist eng, aber brenzlig wird die Situation erst, als sich eine Nachbarin wegen der Überbelegung und Kinderlärm bei der Deutschen Wohnen beschwert. Die kündigt die Wohnung, will alle bis Ende Juni auf die Straße setzen.

Wohnungsgesellschaft bietet Lösung an

 Als der EXTRA TIPP Pressesprecher Julian Pinnig mit dem Fall konfrontiert, rudert die Gesellschaft sofort zurück und will zumindest Großmutter und älteste Tochter in der Wohnung wohnen lassen. „Die beiden werden von uns noch schriftlich informiert“, verspricht Pinnig. Beate Bollmann und ihre vier kleinen Kinder müssten aber weiterhin bis spätestens Ende Juni die Wohnung verlassen.

In ihrer Not hatte sich Beate Bollmann  schon vor über einem Jahr an das Wohnungsamt  der Stadt gewendet, erhielt im Februar endlich eine Berechtigungsnummer für eine geförderte Wohnung. Seitdem steht sie erfolglos auf der Warteliste. Sie schreibt einen Bittbrief an Oberbürgermeister Peter Feldmann. Der gibt die Sache unter anderem ans zuständige Wohnungsamt seines Kollegen Bürgermeister Olaf Cunitz weiter.

600 weitere Familien ohne Wohnung

Dort beeindruckt Bollmanns Geschichte aber offenbar nicht. Sprecher Mark Gellert hält das für einen ganz normalen Vorgang. „Das ist wie bei jedem anderen Menschen auch. Am Ende, wenn keine Unterkunft da ist, bleibt der Gang in die Obdachlosenunterkunft.“ Er verweist immer wieder auf 600 weitere fünfköpfige Familien, die auf eine Wohnung warten und ebenfalls in der sogenannten „Dringlichkeitsstufe eins“ eingruppiert sind. Wie viele davon aber wirklich vor der Obdachlosigkeit stehen, vermag er nicht zu sagen. Nur eines ist sicher: „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keine passende Wohnung für Frau Bollmann.“

Als Bollmann den Brief bei Seite legt, wischt sie sich die Tränen aus den Augen. „Ich muss stark sein für meine Kinder. Vielleicht geschieht ja bis Ende Juni noch ein Wunder.“

Familie wird angemessen untergebracht

Und wirklich: Nach einer Anfrage des EXTRA TIPPS beim Sozial-Dezernat bietet Büroleiter Robert Standhaft an: „Frau Bollmann soll sich bei uns melden. Wir werden dann schauen, was wir machen können.“ Und er macht ihr Mut: „Wir bringen die Familie im Ernstfall angemessen unter .“

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