Südosteuropäer nehmen überhand in Frankfurt

Keine neuen Angebote: Obdachlose sollen weiterziehen

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Obdachlose sollen es sich in Frankfurt offenbar nicht allzu gemütlich machen.

Frankfurt – 70 Prozent der Obdachlosen im Rhein-Main-Gebiet stammen aus Südosteuropa. Andere haben deshalb bei Hilfsangeboten kaum eine Chance. Ausweiten wird Frankfurt sein Angebot aber nicht. Von Christian Reinartz 

Die Stadt will den Armutszuwanderern das Leben nicht zu angenehm machen – damit sie weiterziehen.

Die Einwanderung aus Südosteuropa wird vor allem bei den Obdachlosen deutlich. „Mittlerweile sind etwa 70 Prozent der Gäste unseres Tagestreffs aus Rumänien oder Bulgarien“, sagt Renate Lutz, Leiterin des Obdachlosen-Tagestreffs Weser 5 der Diakonie im Frankfurter Bahnhofsviertel. Dort können Obdachlose tagsüber duschen, können frühstücken, lesen, Fernsehschauen oder einfach nur die Wärme genießen, bevor es am Abend wieder in die Kälte geht. „Eigentlich hat unser Angebot ja das Ziel, mit den Obdachlosen ins Gespräch zu kommen und ihnen beim Wiedereinstieg in ein geregeltes Leben zu helfen“, sagt Lutz. Seit die Südosteuropäer da sind, ist genau das aber nicht mehr möglich. „Viele sprechen nur ungenügend Deutsch“, moniert Lutz. „Da können wir dann auch wenig Hilfestellung geben, sondern werden oft zum reinen Dienstleister.“ Zudem würden diese Menschen oft in Gruppen auftreten.

Die Zahlen der ausgegebenen kostenlosen Schlafsäcke sprechen für sich. Im Jahr 2013 waren es 380 Stück. 2014 war schon im Juni diese Zahl erreicht. Nicht gerade leichter macht die Situation, dass Obdachlose aus dem Umland die Hilfsangebote der Metropolen Frankfurt und Offenbach gerade in den kalten Monaten gezielt ansteuern.

Von 162 Obdachlosen, stammen 120 aus Osteuropa

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Manuela Skotnik, Referentin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld, bestätigt den hohen Anteil Südosteuropäer unter den Wohnsitzlosen. Der städtische Kältebus zählt regelmäßig auf Frankfurts Straßen durch. Die aktuelle Zählung von Montag auf Dienstag betrug 162 Obdachlose. „120 davon waren aus Osteuropa“, sagt Skotnik. Die Gesamtzahlen bewegten sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre zwar immer auf demselben Niveau. „Das schließt aber natürlich nur die Menschen mit ein, die auch wirklich auf der Straße übernachten“, erklärt Skotnik. Denn es gäbe auch welche, die tagsüber die Angebote der Obdachlosenhilfe nutzten, aber nachts in Sammelunterkünften von irgendwelchen Schlepperbanden hausten.

„Aber auch diesen Leuten geht es schlecht, und wir sind uns einig, dass wir auch ihnen helfen und sie nicht auf der Straße stehen lassen“, begründet Lutz. „Auch, wenn das bedeutet, dass andere dadurch verdrängt werden.“ Sie sieht das Sozialdezernat in der moralischen Pflicht, ein zusätzliches Angebot zu schaffen, dass diese Personengruppen auffängt und es so den freien Trägern ermöglicht, den Obdachlosen zurück ins Leben zu helfen.

Stadt hofft, das Obdachlose in andere Städte ziehen

Doch dort will man sich offenbar nicht beteiligen. „Wenn man ein Angebot schafft, schafft man auch automatisch Nachfrage“, erklärt Skotnik den Standpunkt der Sozialdezernentin. Dass es diesen Menschen schlecht gehe, sei keine Frage. „Aber wir wissen eben auch, dass wenn es keine ansprechende Infrastruktur gibt, suchen diese Personen nach anderen Lösungen.“ Eine davon sei es, in andere Städte weiterzuziehen, so Skotnik.

Renate Lutz ist von dieser Aussage entsetzt: „Diese Haltung ist eine Katastrophe. Da wird nicht integriert, sondern versucht, die Menschen aus Frankfurt zu verdrängen. Und das, indem man ihnen das Leben hier möglichst unangenehm macht.“

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