Keine Bescherung für Mitarbeiter

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Thorsten Sellmer

Offenbach – 1900 Beschäftigte bangen um ihren Job beim Druckmaschinenhersteller Manroland in Offenbach. Die Firma hat Insolvenz angemeldet. Die Mitarbeiter gingen am Donnerstag auf die Straße: Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal klar, wer ihr Gehalt zahlt. Von Angelika Pöppel

Thorsten Sellmer

Thorsten Sellmer (35) arbeitet seit 14 Jahren bei Manroland: „Der Leidtragende ist mein siebenjähriger Sohn. Er hat im Dezember Geburtstag und auch zu Weihnachten müssen die Geschenke klein ausfallen. Ich bin nicht mehr in der Lage, seine Wünsche zu erfüllen. Den Unterhalt für meinen Sohn musste ich stornieren und die Miete kann ich auch nicht zahlen. Um andere laufende Kosten zu decken, habe ich mir Geld bei Freunden geliehen.“

Kerstin Hug (48) arbeitet seit 32 Jahren bei Manroland: „Ich habe vier Kinder und versuche sie nicht spüren zu lassen, wie schwer es für mich und meinem Mann ist. Er hat auch bei Manroland gearbeitet und wurde schon vor einem Jahr entlassen. Er hat zwar einen neuen Job, aber das Geld reicht überhaupt nicht aus. Gerade zu Weihnachten ist das sehr traurig. Meine Kinder mussten die Wünsche schon runterschrauben. Wir werden den Dispo bei der Bank stark belasten müssen.“

Jürgen Hoffner

Jürgen Hoffner (51) ist im Betriebsrat und arbeitet seit 27 Jahren bei Manroland: „Es ist ein Schlag ins Gesicht und doppelt so schlimm kurz vor Weihnachten. Ich bin Alleinverdiener. Laufende Kredite habe ich nach langen Gesprächen mit der Bank auf Eis legen lassen. Die Miete kann ich erst zahlen, wenn ich das Insolvenzgeld bekomme. Ich mache mir auch keine Illusion, in meinem Alter noch einen guten Job zu finden. Dann muss ich nehmen was kommt. Wir werden in Zukunft auf einiges verzichten müssen.“

Ramazan Kartalel (20) ist im ersten Ausbildungsjahr bei Manroland: „Die Ausbildung bedeutet meine Zukunft. Ich war sehr froh, als ich die Ausbildung machen durfte. Gerade heute ist es sehr schwer einen Platz zu finden. Und ohne Lohn kann ich meine Rechnungen nicht bezahlen.“

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