Kein Platz am Himmel

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Am Himmel wird's eng: Für Freizeitflieger der Region bleibt bald kein Platz mehr in der Luft.

Region Rhein-Main – Der Platz am Himmel über dem Rhein-Main-Gebiet ist eng. Ab Oktober wird er noch enger. Dann geht nämlich die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen in Betrieb. Bis zu 120 Maschinen starten und landen dann pro Stunde. Für Sport- und Freizeitflieger bleibt da kaum noch Platz über den Wolken. Die Luftsportvereine der Region sind verärgert und bangen um ihre Existenz. Von Mareike Palmy

Der Frankfurter Luftraum ist der am dichtesten Beflogene der Republik. Rund 80 Flugzeuge starten und landen hier pro Stunde. „Die Änderung der Luftraumstruktur betrifft fünf Luftsportvereine, für einige davon ist das existenzgefährdend“, sagt Markus Lenz vom Hessischen Luftsportbund. Gemeint sind unter anderem die Vereine inLangenselbold, Zellhausen und Babenhausen.

Sport- und Freizeitflieger machen ihrem Ärger Luft

Markus Lenz

Mit der neuen Nordwestlandebahn wird nach Plänen der Deutschen Flugsicherung (DFS) der Luftraum über dem Flughafen extrem ausgedehnt und abgesenkt. Teilweise fliegen landende Flugzeuge dann nur 1050 Meter über der Bevölkerung hinweg. Für die Sportflieger hat das gravierende Auswirkungen auf das Fliegen und die Flugausbildung. Denn solch niedrige Anflüge sind gefährlich und problematisch. „Wir brauchen den Raum, damit die Piloten genug Platz nach unten zum Ausweichen haben“, rechtfertigt Kristina Kelek von der DFS die Maßnahmen.

Ein Schlag ins Gesicht für die Luftsportvereine. „Da steht Kommerz gegen Gemeinnützigkeit“, ärgert sich Horst Walter Schwager über die Flugraumbegrenzung. Der erste Vorsitzende des Bad Homburger Luftsportclubs beklagt die Ungerechtigkeit der Sache, denn gerade im Taunus steigt das Flugaufkommen. Nach seiner Ansicht wird das „Allgemeingut Luftraum“ in unangemessener Weise von der Deutschen Flugsicherung beansprucht: „Hier zählt doch nur die Gewinnerzielung des Betreibers und der Airlines. Die unausgesprochene Botschaft der DFS ist: ‚Seid froh, dass ihr überhaupt noch fliegen dürft‘“, macht Schwager seinem Ärger Luft.

Die DFS dagegen versteht die Aufregung nicht: „Wir wollen die Sportflieger ja nicht ärgern, aber Sicherheit steht im Vordergrund, schließlich sollen sich die Flieger nicht zu nahe kommen“, sagt Kristina Kelek. Man bemühe sich um eine Lösung. Wie die allerdings aussieht, weiß keiner.

Eine Lösung für alle Beteiligten

Mark Juhrig vom betroffenen LSV Zellhausen hält eine flexiblere Nutzung des Luftraums für wünschenswert, zudem schlägt er vor: „Linderung für die Segelflieger wäre sicher möglich, wenn die Fraport AG als Nutznießer der neuen Lufträume, den Vereinen finanziell unter die Arme greifen würde.“ Auch die Rundflug-Anbieter der Mainregion müssen mit Einschränkungen rechnen. „Es gibt schon viele Flugverbotszonen“, sagt Winfried Gutsell von S&S-Travel, „deshalb fliegen wir hauptsächlich über den Main, da kommt einem nichts in die Quere.“

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