Kein Anschluss unter dieser Hausnummer

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Ohne Telefonanschluss kein Internet: Manuela Röse und Carmine Risoleo sind als Freiberufler in ihrer Existenz bedroht.

Rödermark – Neues Jahr, neues Glück! Von wegen. Für Manuela Röse und Carmine Risoleo aus Rödermark steht 2012 trotz des Umzuges in eine neue, schöne Wohnung bislang unter einem schlechten Stern. Schuld ist die Telekom. Von Norman Körtge

Manuela Röse und Carmine Risoleo haben viel Arbeit in die Wohnung in der Berliner Straße 20 in Rödermark gesteckt. Bis vor ein paar Jahren hat dort die Uroma von Röse gelebt. Jetzt ist alles in Eigenarbeit frisch gestrichen und tapeziert sowie Laminat verlegt worden. Und die Küchenzeile ist mittlerweile ein echtes Schmuckstück. Doch zum vollendeten Glück fehlt ein Telefonanschluss. Und wann der kommt, kann derzeit niemand sagen.

Bereits im Dezember hatte Röse mit dem Anbieter Alice einen Vertrag abgeschlossen. Kein Problem dachte sie. Zwar war der Anschluss der Uroma nach deren Auszug gekündigt worden, aber die Leitung und der Wohnungsanschluss waren noch da. Doch die böse Überraschung kam am 3. Januar. Alice teilte mit, dass die Leitung belegt ist. Der Beginn des Kommunikationsdesasters mit der Telekom.

Die Telekom hat keine freie Leitung für die Familie

Er ist zu klein: Dieser Verteilerkasten in der Berliner Straße in Rödermark hat keine Kapazitäten mehr frei.

„Am 11. Januar sollte ein Techniker der Telekom vorbei kommen. Ich war extra den ganzen Tag zu Hause. Aber niemand kam“, erzählt Risoleo. Eine Nachfrage bei der Telekom ergab, dass überhaupt kein Auftrag vorliegt. So ging es weiter. „Irgendwann hieß es, dass ein Ressourcenfehler vorliegt“, sagt Röse. Doch dann wurde ein Freischaltungstermin auf den 23. Januar terminiert. Wieder sollte ein Techniker kommen, aber der kam wieder nicht. Die Aussage am Servicetelefon: Im System sei nichts vermerkt. „Da bin ich dann auch laut geworden“, gibt Risoleo zu. Der große Paukenschlag folgte dann am Dienstag dieser Woche. Es gebe keine freie Leitung mehr, es müsse ein neuer Verteilerkasten gesetzt werden, dafür ist eine Baugenehmigung nötig und das alles dauert, fasst Röse das Gespräch am Servicetelefon zusammen. „In den nächsten vier Wochen brauche ich damit nicht rechnen“, hat der Telekom-Mitarbeiter zu mir gesagt. Für Röse und Risoleo wird damit die Angelegenheit existenzbedrohend. Beide sind Freiberufler und auf das Internet angewiesen, um ihre Kunden zu erreichen. „Wir weichen jetzt ins Internetcafé aus. Oder wenn wir Glück haben, kann uns der Kunde einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen“, erzählt die Rödermärkerin.

Die Telekom bedauert den Vorfall und entschuldigt sich für die unzureichenden Informationen. „Der Auftrag ist bei uns im System hängen geblieben und wurde deshalb nicht weiter verarbeitet. Wir mussten den Fehler erst einmal intern finden und beheben“, sagt Telekom-Sprecher George Stephen McKinney und begründet das mit dem hohen Automatisierungsgrad, der bei mehreren Millionen Anfragen im Jahr notwendig ist. Eine Aussage, wann es einen Anschluss für Manuela Röse und Carmine Risoleo geben kann, wollte er nicht treffen: „Wir arbeiten dran.“ Allerdings sei es derzeit schwer, Tiefbauunternehmen mit freien Kapazitäten zu finden.

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