Babytiere vom Züchter, statt aus dem Tierheim 

Katzen-Werbung des Hessischen Rundfunks verärgert Tierschützer

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Region Rhein-Main – Der Hessische Rundfunk will ab Anfang Dezember neue Pausenfilme mit Katzenbabys zeigen. Tierschützer sind deshalb aufgebracht. Sie werfen dem Sender vor, die Tiere zu missbrauchen und die Lage in den vollen Tierheimen zu verschlimmern. Von Christian Reinartz

Große Augen, flauschiges Fell, tapsige Pfötchen – es ist das Kindchenschema, mit dem der Hessische Rundfunk am Bildschirm punkten will. Dabei orientiert sich der Sender an einer Idee, die schon vor 40 Jahren erfolgreich über die Mattscheibe geflimmert ist: Die Pausenkatzen!

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"Tierquälerei mit unseren Gebühren!"

In der kostenlosen Zeitung Hr-Journal berichtet der öffentlich rechtliche Sender stolz von den Dreharbeiten zur Neuauflage, berichtet über die zehn zwölf Wochen alten Katzenbabys, die extra von einer Züchterin aus Darmstadt ins Studio geholt worden sind – und zieht damit den Zorn der Tierschützer auf sich. Die sind nämlich überhaupt nicht davon begeistert, wie der Fernsehsender offenbar mit den Tieren umgegangen ist. Peter Höffken von der Tierschutzorganisation Peta ist Experte für Tiere in der Unterhaltungsbranche und stellt klar: „Katzen sind ortsgebundene Tiere. Wenn diese nun ins Studio gefahren werden, bedeutet das Stress.“

Vor allem aber würden die Katzenfilme beim Zuschauer erfahrungsgemäß Begehrlichkeiten wecken. „Gerade, weil die Katzenbabys so süß sind, gibt es viele Leute, die dann so eines haben wollen“, sagt Höffken. „Viele kaufen dann beim Züchter und merken erst später, dass eine Katze mehr Arbeit macht, als sie gedacht haben.“ Eine Teufelskreis. Die Tiere landeten dann, so der Experte, wieder in den Tierheimen. Und die platzen schon aus allen Nähten. „Wir rechnen deshalb damit, dass die Pausenkatzen die Situation verschlimmern werden.“

Katzen hätten aus dem Tierheim kommen sollen

Dazu kommt: „Der HR hätte doch auch Katzen aus den Tierheimen nehmen und dort auch gleich die Aufnahmen machen können“, sagt Höffken.

Denn die Urväter der Pausenkatzen in den 70ern hatten fast alles richtig gemacht. Sie holten damals die Katzen aus dem Tierheim und vermittelten die tierischen Stars nach den Dreharbeiten. Doch für die neue Produktion mussten es offenbar Züchterkatzen sein. Und dann auch gleich zehn an der Zahl, um sie, so schreibt der HR, während der Dreharbeiten austauschen zu können.

Beim HR ist man sich keiner Schuld bewusst. Sprecher Christian Bender: „Wir haben auf Tiere von einer Züchterin zurückgegriffen, weil wir zu einem bestimmten Zeitpunkt drehen mussten.“ Zwei Tage lang hätten die Dreharbeiten gedauert – für drei Minuten Material. „Die Tiere konnten sich im Studio frei bewegen und durften schlafen, wann sie wollten.“ Nach Benders Einschätzung hätten sich die Katzen sehr wohl gefühlt. Nach Abschluss der Arbeiten habe man die Katzen wieder an die Züchterin zurückgegeben.

Dass die Pausenkatzen Zuschauer animieren könnten, unüberlegt Katzen zu kaufen, glaubt er nicht: „Auf youtube gibt es Millionen Katzenvideos, die darauf auch keinen Einfluss haben.“

Verständnis hat Höffken für die Geschäftspraktiken des HR nicht. Er sagt: „Mal wieder hat sich folgender Satz bewahrheitet: Wenn man selbst nix kann, müssen Tiere ran.“

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