Kasse machen mit Krebs-Angst

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Jürgen Grunschel aus Frankfurt zeigt ein Muttermal auf seinem Arm. Dieses wollte er untersuchen lassen.

Region Rhein-Main – Obwohl Jürgen Grunschel aus Frankfurt eine kostenlose Hautkrebsuntersuchung zusteht, sollte er beim Arzt zahlen. Die kassenärztliche Kontrolle halten viele Hautärzte und Dermatologen für zu ungenau. Deshalb bieten sie nur kostenpflichtige Untersuchungen an. Von Angelika Pöppel

„Ohne Zuzahlung wird gar nichts gemacht“, sagt Jürgen Grunschel aus Frankfurt. Der 57-Jährige arbeitet viel in seinem Garten und ist oft der Sonne ausgesetzt. Deshalb ging er zum Hautarzt für das kostenlose Hautscreening, um Hautkrebs vorzubeugen. Doch „ich war bei drei Ärzten, keiner hat mir die kostenlose Untersuchung angeboten“, sagt er. Obwohl die Vorsorge allen über 35-Jährigen zusteht und von der Krankenkasse bezahlt wird.

„Ohne Auflichtmikroskop machen wir es nicht“, bestätigt die Sprechstundenhilfe der Gemeinschaftspraxis Köberich in Frankfurt. Eine Untersuchung der Haut mit Mikroskop kostet den Patienten im Schnitt 16 Euro. Digitalfotos von Muttermalen kosten pro Untersuchung rund 80 Euro.

Helle Lampe und ein geschultes Auge

Krankenkassen halten die Untersuchung der Haut mit dem bloßen Auge für ausreichend – Hautärzte und Dermatologen nicht. „Studien zeigen, dass eine optische Untersuchung eine Genauigkeit von 60 Prozent und das Auflichtmikroskop von 90 Prozent erzielt. Das ist ein riesiger Unterschied“, sagt Siegfried Müller vom Berufsverband der deutschen Dermatologen. Doch Angela Smith, Fachärztin der AOK in Bad Homburg, hält das Auflichtmikroskop für die Früherkennung nicht für notwendig: „Falls mit dem bloßen Auge eine verdächtige Veränderung aufgefallen ist, handelt es sich im weiteren Verlauf nicht mehr um eine Vorsorgeuntersuchung.“ Erst dann kann das Mikroskop eingesetzt werden und der Patient muss nicht zahlen.

Auf der Internetseite der deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention steht: „Für die Untersuchung benötigt ihr Arzt keine Instrumente, sondern nur eine helle Lampe und sein geschultes Auge.

Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen stimmt dem zu: „Theoretisch müsste eine Voruntersuchung mit dem Auge eines geschulten Hautarztes ausreichen.“ Deshalb dürfen Ärzte nicht zu Zusatzleistungen drängen. Und „Patienten sollten nicht selbstverständlich zahlen“, sagt Hubloher. Der Arzt müsse erklären, warum die Untersuchung notwendig sei. Auch die Praxisgebühr entfällt bei der Vorsorgekontrolle.

Anspruch auf kostenlose Untersuchung

Das Auflichtmikroskop fordert die Verbraucherschützerin für gefährdete Patienten. Menschen mit sehr heller Haut und vielen Muttermalen haben ein höheres Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Deshalb sollten die Krankenkassen in diesen Fällen die genauere Voruntersuchung auch zahlen, so Hubloher. Im Fall Grunschel rät Hubloher: „Herr Grunschel soll sich an die Kassenärztliche Vereinigung wenden. Denn er hat Anspruch auf eine kostenlose Untersuchung.“ Grunschel will nicht aufgeben: „Ich werde weiter nach einem Arzt suchen, der mich kostenlos untersucht.“

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