Kampf für Riederwalds Bücherei

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Nur noch bis Ende nächsten Jahres bekommt Andrea Schuck-Granderson Lesestoff aus der Bücherei.

Frankfurt – Es ist die einzige kulturelle Einrichtung im Riederwald. Ein Ort für Begegnung, Veranstaltungen und Bücher. Doch für viele Politiker bedeutet die Stadtteilbibliothek ein Einsparpotenzial. Ein Kulturverein kämpft gegen die beschlossene Schließung. Von Andreas Einbock

Andrea Schuck-Granderson lebt seit 17 Jahren im Riederwald gleich im Haus neben der Bibliothek. Mit ihrem Kulturverein lädt sie regelmäßig zu Lesungen, Vorträgen und Gesprächsrunden ein. „Ohne unsere Bücherei geht das alles nicht mehr“, sagt die Vereinsvorsitzende vom Kulturbeutel mit verzweifeltem Blick. Ein Magistratsbeschluss von 2003 hat das Ende der Stadtteilbibliothek eingeläutet. Wenn der Mietvertrag Ende 2011 ausläuft, gehen nach dem Willen der Fraktionen CDU, FDP und Grünen endgültig die Lichter aus in der Max-Hirsch-Straße 34.

Doch kampflos wollen Schuck-Granderson und ihre 30 Vereinsmitglieder die Schließung nicht hinnehmen. Fast 700 Unterschriften haben sie gesammelt und Oberbürgermeisterin Petra Roth übergeben. Selbst Bücher und Flyer haben sie in der Stadtverordnetenversammlung verteilt. „Wir haben auch im Bildungsausschuss vorgesprochen. Aber auch da sieht niemand, dass in der Bücherei nicht nur Bücher ausgeliehen werden“, sagt Schuck-Granderson.

Bücherbus, Schulbibliothek und Online-Ausleihe soll Ersatz werden

Irene Khateeb, persönliche Referentin von Bürgermeisterin Jutta Ebeling (CDU), verweist auf den Magistratsbeschluss: „An den müssen wir uns halten. Zudem müssen wir versuchen, die Kapazitäten zu optimieren.“ Konkret heißt das: Ein Bücherbus, eine Bücherei in der Grundschule und eine Onlineausleihe im Seniorenzentrum sollen die bisherigen Aufgaben übernehmen. „Doch das kostet auch Geld und Personal. Und eine Lesung kann man wohl kaum in einem Bus anbieten“, ärgert sich Schuck-Granderson über die scheinbaren Alternativen der Politik. „Ein Stadtteiltreffpunkt ist aber nicht unser Aufgabengebiet“, sagt Khateeb.

Über diesen Tunnelblick der Politik schüttelt Yildiz Köremezli-Erkiner nur den Kopf. Die Stadtverordnete der Linken kann nicht nachvollziehen.  „Dass für eine Bibliothek keine 80.000 Euro vorhanden sein sollen, wenn für die neue Hauptwache 17 Millionen Euro ausgegeben werden“, sagt sie.

Die Linken wollen die Bibliothek in den Kommunalwalhkampf einbringen

Aber diese Missverhältnisse dürften die Politiker gern im Kommunalwahlkampf im nächsten Frühjahr erklären. „Dann werden wir das Thema noch einmal groß auf die Tagesordnung bringen“, so Köremezli-Erkiner.

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