Kampf mit der Rampe

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Ullrich Hofmann muss sich an dem Türrahmen festhalten und hochziehen, um in den Laden zu kommen.

Groß-Zimmern – Rollstuhlfahrer Ullrich Hofmann hat nur eine Möglichkeit, in Klein-Zimmern einzukaufen. Doch eine kleine Stufe vor dem Geschäft ist ihm im Weg. Dass die Ladenbesitzerin ihm täglich ihre Hilfe anbietet, ist für ihn aber keine Lösung. Er fordert eine größere Rampe. Von Silke Gottaut

 „Ich habe die Schnauze voll“, sagt Hofmann. „Immer wieder erkläre ich der Ladenbesitzerin, dass die Rampe für mich gefährlich ist und eine Neue hingebaut werden muss. Aber es tut sich nichts“. Vor zwei Wochen passierte dem 57-Jährigen ein Missgeschick: Er rutscht beim Hochziehen am Türrahmen ab und verletzt sich an den Händen. „Ich muss mich festhalten und hochziehen, sonst komme ich nicht hinein.“

Die Angst, sich weh zu tun, hat nun ein Ende. Eine Lösung für eine neue Rampe ist in Sicht. Der Lebensgefährte von Ladenbesitzerin Ingeborg Krebs hat eine Idee: „Ich werde mich um eine längere, flachere und rutschfeste Aluminium-Rampe kümmern, so dass auch keine Lücke mehr vorhanden ist. Wir wollen niemanden diskriminieren und kümmern uns um eine Lösung.“

Doch Hofmann fühlte sich, bis der EXTRA TIPP sich einschaltete, nicht ernst genommen: „Man sagte mir, ich solle meine Brötchen woanders kaufen. Aber diese Möglichkeit gibt es für mich in diesem Ort nicht.“

Zwischen Krebs und Hofmann herrschte zwischenzeitlich ein harscher Ton. Krebs fühlt sich ungerecht behandelt. „Das ist unfair“, sagt sie. „Ich frage immer, ob ich ihm helfen kann. Und die Rampe haben wir nur für ihn hingebaut. Für ältere Leute ist das schlecht, da sie einen größeren Schritt machen müssen.“ Doch Rollifahrer Hofmann fühlt sich nicht verstanden. Er möchte von alleine, ohne Angst auszurutschen, in den Laden kommen. Die Rampe vor dem Geschäft ist für einen Rollstuhlfahrer nicht ausgelegt: Sie ist offenbar zu kurz und steil, um einfach nach oben zu rollen. Hinzu kommt, dass die Rampe nicht mit der Stufe abschließt: Eine etwa zwei Zentimeter große Lücke besteht zwischen Rampe und Stufe. Doch Ingeborg Krebs’ Verständnis für ihren Kunden im Rollstuhl hat Grenzen: „Sein Wunsch, den Hof komplett neu zu pflastern und auf Höhe der Eingangs-Stufe zu bringen, ist nicht umsetzbar.“ Diese Maßnahme übersteige ihr Budget. Für Familie Krebs steht fest: Die Kosten der Rampe müssen im Verhältnis zum Verdienst stehen. „Und Brötchen für 50 Cent stehen nicht in Relation zu einem solchen Umbau.“

Trotz der Streitigkeitensind beide Parteien mit der geplanten neuen Rampe zufrieden.

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