Kampf um die Hintertür

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Ostend-Bewohnerin Sharmilla Manel muss ab September einen Umweg laufen: Der Zooeingang in der Rhönstraße wird geschlossen.

Frankfurt – Wegen Geldmangel will die Stadt den Hintereingang in den Zoo Frankfurt dicht machen. Doch es regt sich Widerstand. Neben Kirche, Altenheimen, Parteien und Ortsbeirat protestieren vor allem Anwohner dagegen. Ostend-Bewohnerin Sharmilla Manel fordert „Rettet den Zooeingang!“ Von Mareike Palmy

Bagger schaufeln eifrig Sand auf einen Haufen. Ein Presslufthammer ist zu hören. Baustaub flimmert durch die Mittagshitze. Wer fleißige Handwerker sehen will, der muss zum Haupteingang des Zoos am Alfred-Brehm-Platz gehen. Denn seit Monaten werkeln die Arbeiter am neuen Eingang des Tierparks. Ein moderner Kassen- und Servicebereich mit Shop soll hier für rund fünf Millionen Euro entstehen. Doch während der vordere Teil immer schöner wird, werden die Gesichter am anderen Ende immer länger, denn im September, wenn der neue Eingangsbereich öffnet, soll der Hintereingang geschlossen werden.

Seit vielen Jahren laufe ich durch den Zoo. Gerade in den Sommermonaten benutze ich den Eingang oft. Morgens mache ich hier Gymnastik am Pavianfelsen. Der Weg um die Zoo-Mauer herum, ist beschwerlich. Der Eingang darf einfach nicht geschlossen werden. Das viele Geld für den Umbau ist sonst schlecht angelegt, wenn dafür ein Eingang zugemacht wird“, klagt Anwohnerin Sharmilla Manel.

Vor allem für die Bewohner des nordwestlichen Ostends, für die Schulen und Kitas sowie die Seniorenheime und Altenwohnanlagen ist der Eingang eine notwendige Möglichkeit, den Zoo ohne große Umstände zu betreten. Auch die 88-jährige Barbara Wiegand aus dem GDA-Wohnstift spaziert oft durch den Zoo und bedauert die geplante Schließung, denn für sie war der Hintereingang eine Erleichterung: „Ich bin zwar noch gut zu Fuß, aber es ist schade. Ich habe den Eingang oft benutzt. Er ist praktisch, so muss man nicht im Getümmel zwischen Schulklassen am Haupteingang warten“, sagt die alte Dame. Seit dreizehn Jahren besitzt sie eine Dauerkarte für den Zoo, ob sie sich im nächsten Jahr wieder eine kauft, weiß sie aber noch nicht, ebenso wie viele andere Ostend-Bewohner.

Kirche sammelte Unterschriften, CDU bringt Antrag ein

Für Oliver Ramstedt ist das Vorhaben eine Schande: „Als Frankfurt Zoo Fan finde ich es traurig, dass der Zoo Frankfurt und somit die Stadt Frankfurt, zwar Spenden, Patenschaften und Nachlässe von seinen Besuchern haben möchte, aber im Gegenzug den Service für die Besucher, sprich den zweiten Eingang nach einem halben Jahrhundert schließt“, sagt der Dauergast.

Mittlerweile ist ein regelrechter Kampf um die Hintertür entbrannt, denn sogar die Kirche sammelte Unterschriften gegen die Schließung. Auch die Politik hat sich eingeschaltet: „Wir haben einen Prüfantrag an den Magistrat gestellt, ob der Eingang nicht doch erhalten werden kann, zunächst wenigstens als Ausgang. Im Interesse der Zoobesucher wünschen wir uns künftig aber ein automatisiertes Kassensystem, denn der Eingang ist hilfreich“, sagt CDU-Sprecher Joachim Rothberg. Für den Zoo ist ein Kartenautomat jedoch keine Lösung: „Wir hatten zahlreiche Beschwerden, aber wir sind mit der Entscheidung konform. Wir wissen, dass das für die Anwohner einen schwierigeren Fußmarsch bedeutet und bedauern diese Einschränkung vor allem für alte und behinderte Menschen, aber wir sehen keine Alternative. Auch eine Automaten-Kasse wird nicht möglich sein, denn im hinteren Bereich gibt es keine IT-Versorgung. Man müsste erst buddeln und Kabel quer durch den Zoo legen. Dafür fehlt schlichtweg das Geld“, sagt Zoo-Sprecherin Christine Kurrle.

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