Kampf gegen Handy-Strahlen

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Kopfschmerzen, Herzrasen, Schweißausbrüche – Ingrid Petzold macht dafür Funkwellen verantwortlich. Sie will nun ein strahlungsfreies Domizil für Elektrosmog-Opfer schaffen.

Region Rhein-Main – Ingrid Petzold kann Handy-Wellen und W-Lan-Funk spüren. Sie leidet unter der Dauerstrahlung im Rhein-Main-Gebiet. Sie verursacht bei ihr Kopfschmerzen und Herzrasen. Im Taunus will sie nun eine Zone errichten, in der alles, was funkt, verboten ist. Von Christian Reinartz

In Frankfurt gibt es mehr Handys als die Stadt Einwohner hat. Auch im Taunus ist die Handy-Dichte sehr hoch. Hunderttausende private W-Lan-Netze setzen das komplette Rhein-Main-Gebiet unter dauerhaften Strahlen-Beschuss. Durch alle Häuserwände hindurch. Experten schätzen die Zahl der Handys allein in Frankfurt auf weit über eine Million Geräte. Dazu kommen tausende Funkmasten, die alles mit Elektrosmog überziehen.

Ein Spaziergang durch die Innenstadt ist deshalb für Ingrid Petzold ein echter Spießrutenlauf. Alle paar Meter durchfahren sie stechende Kopfschmerzen. Ihr Herz rast. Sie bekommt Schweißausbrüche. Petzold ist elektrosensibel. Genau wie viele andere Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das hat ihr ein Umweltmediziner bestätigt. Noch schlimmer als die Handys sind für Petzold Mikrowellen und schnurlose DECT-Telefone. „Da bekomme ich sofort Kopfschmerzen. Aber nur wenige nehmen das ernst“, sagt sie verzweifelt: „Stattdessen stempeln mich immer wieder Leute als verrückt ab.“

Zusammenhang zwischen Elektrosmog und Fehlgeburten

Dabei gibt es Umwelt-Mediziner, die schon seit Jahren vor den Gefahren von zunehmender Funkstrahlung im öffentlichen Raum warnen. „Es ist auffällig, dass viele Menschen auf Elektrosmog empfindlich reagieren“, sagt ein Frankfurter Mediziner, der namentlich nicht genannt werden will. Aus Angst vor Rufschädigung, denn immer noch gelte Elektro-Smog in der Öffentlichkeit als Hirngespinst, sagt er. Dabei habe eine groß angelegte Studie aus Chicago erst vergangenen August einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Elektro-smog und Fehlgeburten nachgewiesen.

Die Region ist übersät mit solchen Funkmasten, die zwar eine perfekte Netzanbindung ermöglichen, aber Elektrosensible in den Wahnsinn treiben.

Gegen die mächtige Telekommunikations-Lobby kann doch niemand etwas ausrichten“, sagt Petzold resigniert: „Die Politiker setzen unsere Gesundheit aufs Spiel, nur damit jeder immer und überall ins Internet kann. An die Spätfolgen denkt dabei niemand.“

Anders in Schweden. Dort gibt es etwa in der Gemeinde Södertälje südlich von Stockholm extra ausgewiesene Gebiete mit extrem geringer Funkbelastung, wo Elektrosmog-Opfer hinziehen können. „Aber ich kann ja nicht mal eben nach Schweden auswandern“, sagt Petzold. Deshalb will sie nun für sich und andere Betroffene einen Rückzugsort im Taunus schaffen. „Am liebsten in Bad Homburg“, sagt sie.

Wie ihr Elektrosmog-Reservat aussehen soll, weiß sie auch schon. „Am besten ein Mehrfamilienhaus, in dem sich alle Parteien verpflichten müssen, keinerlei Funktechniken zu benutzen.“ Gegen die Strahlung von Handymasten könne man Schutzfolien oder spezielle funkdichte Tapeten anbringen. „Damit wir endlich einen Ort haben, an dem wir nicht ständig bombardiert werden.“ Wer Ingrid Petzold helfen will, meldet sich unter redaktion @extratipp.com.

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