Kammerjäger packt aus

So eklig ist es in den Küchen der Restaurants!

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Eine tote Kakerlake auf dem Küchenboden. Nicht gerade ein Zeichen für eine saubere Küche.

Region Rhein-Main – Gammel-Fleisch, Kakerlaken, Mäuse: In vielen Restaurants und Imbissen herrscht Ekel-Alarm. Ständig heben Lebensmittelkontrolleure die widerlichsten Keim-Küchen aus. Doch kaum sind diese dicht, öffnen sie schon wieder. Doch bleibt es dort wirklich sauber? Ein Kammerjäger packt aus. Von Christian Reinartz

„Was in vielen Restaurant-Küchen abgeht, ist wirklich widerlich“, sagt Kammerjäger Henning Christian. Er ist mit seiner Dreieicher Firma Sunbugs im Rhein-Main-Gebiet unterwegs und kennt die schmutzigen Geheimnisse der Ekel-Restaurants genau. Keine Widerlichkeit, die er nicht schon gesehen hat. „Da wo kein Kunde hinschaut, ist alles mit einem Ölfilm verschmiert. Und überall gibt es Mäuse und Kakerlaken.“ Henning Christian kennt kein Pardon: „Meiner Meinung nach gilt das für zahlreiche asiatische Restaurants.“ Sein persönlicher Höhepunkt des Ekels: „Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie in einem Imbiss der Salat im Klo gewaschen wurde.“

Lebensmittelüberwachungen haben zu wenig Personal

Direkte Verfolger in Christians Rangliste des Grauens: Einige indische und pakistanische Restaurants. Sicher gelte das nie für alle, und es gebe immer gute, sogar hervorragende Beispiele. „Aber viele sind meiner Erfahrung nach unsauber“, sagt Christian.

Das Problem: Die Lebensmittelüberwachungen der Städte und Kreise kontrollieren zwar regelmäßig, sind aber personell viel zu dünn aufgestellt. „Die kriegen doch bei weitem nicht alles mit“, sagt Christian. Vor allem an Nachkontrollen hapere es. Wenn etwa ein Kakerlakenbefall festgestellt wird, dann reicht so mancher Lebensmittelüberwachung schon, wenn die Gastronomen dann eine Bestätigung faxen, dass sie eine Schädlingsbekämpfung haben durchführen lassen. „Das Problem geht aber tiefer“, sagt Henning Christian: „Die Betreiber der Restaurants wollen viel zu oft nur das nötigste Geld ausgeben. Gerade soviel, dass ihr Laden nicht dauerhaft dicht gemacht wird. Und das, obwohl sie dazu verpflichtet sind, regelmäßig Schädlingsbekämpfung durchführen zu lassen.“

Fortlaufende Schädlingsbekämpfung sparen sich die meisten

Das Ergebnis dieser Schluderei: Kontrolliert die Behörde und stellt Schädlingsbefall fest, wird eine Bekämpfung angeordnet. Doch eine fortlaufende Bekämpfung, wie sie eigentlich nötig wäre, sparen sich die meisten Gastronomen. Das Ergebnis: Nach ein paar Wochen ist der Befall wieder genauso stark wie vorher. Und während dieser ganzen Zeit läuft der Betrieb einfach weiter – und kein Kunde ahnt etwas davon.

Im Ordnungsamt der Stadt Frankfurt erklärt Sprecher Michael Jenisch die Lage so: „Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit bei dem Lebensmittelunternehmer.“ Die Aufgabe der Lebensmittelkontrolle sei es zu kontrollieren, dass der Unternehmer seiner Kontrollpflicht nachkomme. Wenn alle Lebensmittelunternehmer ihrer Verantwortung gerecht werden würden, müsste es die Kollegen der Lebensmittelüberwachung überhaupt nicht geben.“

Dass zu wenig nachgeprüft werde, weist Jenisch zurück. „Wir machen immer zeitnahe Nachkontrollen. Bei geschlossenen oder beschränkten Betrieben bedarf es der ausdrücklichen Anweisung des Lebensmittelkontrolleurs, dass die Tätigkeit nach Beseitigung der Mängel wieder ausgenommen werden darf.“ Schriftliche Bestätigungen eines Schädlingsbekämpfers reiche nicht aus.

So oft wird in Rhein-Main kontrolliert (2014)

Main-Taunus-Kreis: 4100 Betriebe, 1022 Kontrollen, 99 Betriebe mit erheblichen Mängeln

Hochtaunuskreis: 2890 Betriebe, 2744 Kontrollen, 158 Beanstandungen Frankfurt: 8206 Betriebe, 5587 Kontrollen, 2632 Beanstandungen (gering bis schwer)

Offenbach: 1499 Betriebe, 1123 Kontrollen, 211 Beanstandungen (gering und schwer)

Kreis Offenbach: 3176 Betriebe, etwa 2000 Kontrollen, 75 Betriebe mit erheblichen Mängeln

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