Jung-Politiker warnt vor dem  Schläger-Express

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Täter aus Frankfurt? Mit Gewalt werden Jugendliche aus Bad Homburg immer wieder beraubt (gestellte Szene).

Bad Homburg – In Bad Homburg kann man nicht mehr aufwachsen, ohne Opfer von prügelnden Jugendlichen zu werden. Das sagt der Junge-Unions-Politiker Leon Peter Lee. Schuld daran seien aber weniger Bad Homburger Schläger, sondern kriminelle Jugendliche aus Frankfurt, die mit der U2 nach Bad Homburg fahren, um zu rauben und zu prügeln. Von Christian Reinartz

Endstation Bad Homburg. Wer hier als Jugendlicher abends unterwegs ist, riskiert, überfallen zu werden. Davor warnt der Junge-Unions-Mann Leon Peter Lee. „Das ist mit der Zeit immer schlimmer geworden“, regt sich der Jung-Politiker auf: „Mittlerweile kann man in Bad Homburg und der Umgebung nicht mehr aufwachsen, ohne mit Gewalttaten konfrontiert zu werden.“ Er selbst sei schon Opfer gewesen. Einer seiner Freunde sei derart zusammengeschlagen worden, dass er einen Schädelbruch erlitten habe. Aber auch in den umliegenden Gemeinden schlagen die Täter zu. Jüngstes Beispiel: Ein 26-Jähriger wurde am vergangenen Sonntag bewusstlos in Kronberg aufgefunden. Er hatte offenbar einen Schlag gegen den Kopf bekommen, Armbanduhr und Geld fehlten.

Diese Gewalttaten werden in der Mehrzahl der Fälle von jugendlichen Kriminellen begangen, die vor allem in den Abend- und Nachtstunden durch die reichen Taunusgemeinden streifen, heißt es bei der Polizei. Der Ablauf dabei sei sehr häufig gleich. Erst wird das junge Opfer angepöbelt, dann wird die Herausgabe des Rucksacks oder der Tasche gefordert. Unter Jugendlichen wird das „Abrippen“ genannt. Nur wer Glück hat, wird nicht verprügelt.

Es ist bekannt, dass es in Bad Homburg einiges zu holen gibt

Täter aus Frankfurt? Mit Gewalt werden Jugendliche aus Bad Homburg immer wieder beraubt (gestellte Szene).

Die Täter, ist Lee sicher, kommen aber zum Großteil nicht aus Bad Homburg oder dem Taunus, sondern mit der U-Bahn aus Frankfurt. In der Kurstadt gehen sie dann auf Beutetour. Leon Peter Lee: „Ich habe den Eindruck, dass die Kriminellen es vor allem auf die besser situierten Jugendlichen hier abgesehen haben.“ In den einschlägigen Kreisen in Frankfurt sei hinreichend bekannt, dass es in Bad Homburg einiges zu holen gebe, sagt der Jura-Student. Er absolviert zur Zeit am Gericht sein Praktikum, wird immer wieder mit solchen Fällen konfrontiert.
Zudem lassen sich die hiesigen Jugendlichen leichter einschüchtern, weil sie das raue Stadtleben nicht gewöhnt sind“, sagt Lee. „Hier ist die Chance größer, dass im Rucksack ein teures Ipad ist. Und das wissen die Täter.“
Bei der Stadt zweifelt man an Lees Beobachtung. Andreas Möring, Pressesprecher des Bad Homburger Magistrats: „Wir haben keine Zahlen, die eine Häufung solcher Fahrten belegen. Die Zahlen die uns vorliegen, geben das nicht her.“

Bei der Ermittlungsgruppe der Bad Homburger Polizei gibt man jedoch zu, den Beute-Tourismus zu kennen. Gruppenleiter Uwe Schweitzer wiegelt zwar ebenfalls ab: „Das mag der subjektive Eindruck eines Dritten sein. Aber wir haben hier keine Spitze an Kriminellen, die aus einer bestimmten Stadt kommen.“ Dennoch muss er einräumen: „Es gibt immer wieder kriminelle Jugendliche, die aus Frankfurt nach Bad Homburg fahren und hier auffällig werden.“

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