Treffpunkt Friedhof: Viele Anlagen werden nicht abgeschlossen

Kein Respekt vor Totenruhe?

+
Jugendliche nutzen den Friedhof als Treffpunkt, trinken Alkohol und rauchen.

Region Rhein-Main - Rauchen, Saufen, Musikhören: Friedhöfe  sind als abendlicher Treffpunkt bei Jugendlichen offenbar beliebt. Denn die meisten Anlagen werden aus Kostengründen gar nicht mehr abgeschlossen. Eine Rentnerin schlägt Alarm. Von Christian Reinartz

Bei den Stadtverwaltungen spricht keiner gerne darüber. Da werden Ausflüchte gesucht und für Verständnis geworben. Dennoch bleibt Fakt: Viele Friedhöfe werden von den Städten der Region selbst in der Nacht aus Kostengründen nicht mehr abgeschlossen. Die Hinweisschilder mit den Öffnungszeiten am Tor sind Makulatur. Das hat Helma Engelhardt  aus dem Frankfurter Stadtteil Berkersheim erst neulich zu spüren bekommen. „Die haben mir einfach meine Tasche mit Schaufel und Hacke hinter dem Familiengrabstein weggeklaut“, sagt die 76-Jährige.

Hacke geklaut und Party gemacht

Lesen Sie auch:

Grabschmuck-Diebe aus Geldnot?

Medien-Mönch Bruder Paulus fordert gratis Gräber

Kaum Bestattungen mit Leichentuch

Dabei gehe es ihr gar nicht um den Wert der Sachen. „Es geht darum, dass niemand mehr Ehrfurcht vor einem heiligen Ort wie dem Friedhof hat.“ Schon häufiger habe sie Jugendliche auf dem Friedhof in Berkersheim herumlungern sehen. „Die haben geraucht und getrunken“, sagt sie. Spät abends und nachts sei zudemschon mehrmals laute Musik von dem Friedhof zu ihrem benachbarten Haus gedrungen. „Die haben da schon regelrechte Partys gefeiert“, sagt die Rentnerin. Bei der städtischen Friedhofsverwaltung versucht Leiter Thomas Linne  zu beschwichtigen. „Wir haben in Berkersheim aktuell keine Beschwerden vorliegen.“ Dennoch räumt er ein: „Es kann immer mal wieder vorkommen, dass Jugendliche Friedhöfe als Treffpunkt nutzen.“ Etwa in Preungesheim sei das erst vor Kurzem der Fall gewesen. Ein Aushang und das Wegräumen der Sitzbänke hätte Abhilfe geschaffen. Klar sei aber auch: „Wir können nicht überall vorsorglich kontrollieren.“

Es finden sich keine Schließer mehr, weil so wenig bezahlt wird

Stattdessen sei man auf konkrete Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Ebenso könnten solche Störungen auch bei der Polizei gemeldet werden. In Frankfurt sind, laut Linne, 25 Friedhöfe vom Sparprogramm betroffen. Nur elf werden noch abgeschlossen. Das seien etwa die großen Stadtteilfriedhöfe und der Hauptfriedhof. Der Grund: Es ist schwer sogenannte Schließer zu finden, denn der Lohn ist angesichts der Anforderungen gering. Jeden Tag, morgens und abends auf- und abzuschließen, macht unflexibel. Dennoch sieht die Entlohnung dafür kläglich aus. Nur knapp 100 Euro erhält ein Schließer je nach Friedhofsgröße pro Monat. „Das will halt keiner mehr machen.“ Und selbst wenn, würde die Stadt Frankfurt das Geld nur investieren, wenn es einen konkreten Anlass gebe, sagt Linne. Bisher seien nämlich nicht mehr Schäden zu verzeichnen als vorher.

Auch in Offenbach bleibt ein Großteil der Friedhöfe unverschlossen

Hier geht's zum Kommentar "Ursache für Partys auf Friedhöfen bekämpfen!"

Auch in Offenbach bleibt der größte Teil der Friedhöfe nachts unverschlossen, so der Sprecher der städtischen Dienstleistungsgesellschaft, Oliver Gaksch. Eine genaue Zahl möchte er aber nicht nennen. Dass auch dort Jugendliche immer wieder mal, etwa in den Eingangsbereichen, herumlungern, gibt er aber zu. „Wir sehen da in Offenbach jedoch kein besonderes Problem“, sagt Gaksch. „Unsere Mitarbeiter und auch wir selbst weisen die Gruppen, wenn wir sie antreffen, darauf hin, dass ein Friedhof kein Treffpunkt ist.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare