Jugendliche hinterlassen Tüten

Kleber-Schnüffler am Trimm-dich-Pfad in Offenbach

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Wie auf diesem gestellten Bild sollen Jugendliche hier Kleber schnüffeln. Die Überreste werden offenbar ins Gebüsch geschmissen.

Offenbach –  Klimmzüge waren gestern. Stattdessen nehmen Jugendliche auf einem Offenbacher Trimm-dich-Pfad offenbar lieber tiefe Züge aus Schnüffeltüten gefüllt mit Klebstoff. Von Christian Reinartz

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Rentner Erwin H. hat es satt, dass er jeden Morgen an den Jugendlichen an der Station zehn des Trimm-dich-Pfads an der Rosenhöhe vorbei muss. „Die sitzen da und schnüffeln Klebstoff aus Tüten“, sagt der rüstige Mann. Die, das sind bis zu fünf Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. „Mir ist richtig unwohl, wenn ich an denen vorbeilaufe“, sagt er. „Die sind ja zugedröhnt und keiner weiß, wie die sich verhalten.“ Die ausgedienten Kunststoff-Tüten, hat H. beobachtet, werden von den Jugendlichen nach Benutzung achtlos ins Gebüsch geschmissen.

Und tatsächlich: Schon auf dem Weg zum Trimm-dich-Pfad in Höhe der Marianne-Frostig-Schule, kommt bei einer EXTRA TIPP-Stichprobe ein etwa 15-Jähriger Jugendlicher aus dem Wald gelaufen. Nach dem Trimm-dich-Pfad gefragt, antwortet er nur wirres Zeug. Seine Augen sind gerötet, die Hände bewegen sich in seinen Hosentaschen wie wild, seine Stimme ist hektisch. Irgendwann scheint er die Frage zu verstehen, stammelt ein „Da hinten links“ und geht weiter.

Tüten mit verklumpten und klebrigen Resten im Wald gefunden

Vor Ort bietet sich an der Station zehn dann ein eindeutiges Bild. Mehr als 25 durchsichtige Plastiktüten liegen im Laub oder hängen in den kahlen Ästen im Gebüsch am Rand der Station. Einige davon haben sogar verhärtete Stellen, an denen offenbar der Kleber angetrocknet ist. Für Rainer Ummenhofer von der Fachstelle für Suchtprävention im Suchthilfezentrum Wildhof passt das alles zusammen. „Diese überschießenden Symptome bei dem Jungen sind typisch für einen solchen Rausch.“ Er selbst beobachtet das Schnüffeln immer wieder bei Jugendlichen. „Das ist kein seltenes Phänomen, wobei das meistens eine Sache von Jugendliche und Kindern ist“, sagt Ummenhofer. Der Klebstoff und ähnliche Produkte seien billig und einfach zu besorgen.

Polizei bestätigt Verdacht nicht

Dennoch seien die Konsumenten nicht unbedingt wirtschaftlich schlecht gestellt. Eher seien das durchaus normale Durchschnitts-Jugendliche, die eine große Risikobereitschaft haben. „Nur vergessen sie dabei die Gefahr“, sagt der Drogen-Experte. „Das kann schnell tödlich enden.“ Es seien aber auch stark gehirnschädigende Wirkungen bekannt, die nicht rückgängig gemacht werden könnten.

Im Polizeipräsidium in Offenbach wusste man von einer solchen Schnüffelei bisher nichts. Pressesprecherin Andrea Ackermann: „An sich ist das Schnüffeln von freiverkäuflichem Kleber ja auch gar nicht strafbar.“ Aber wenn es um Kinder geht, greife die Polizei natürlich ein.

Eine Überprüfung der Trimm-dich-Station sei zudem erfolglos verlaufen. Ackermann versichert: „Unsere Leute haben keine Klebstoffreste entdeckt und die Tüten weggeschmissen.“

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