"Hat die Mainarbeit kein Herz für die Tafel?"

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Zu wenig Helfer: Offenbachs Tafel-Chefin Christine Sparr hat bei der Mainarbeit Ein-Euro-Jobber beantragt. Doch heißt es, man wisse von nichts.

Offenbach – Notstand bei der Offenbacher Tafel. Weil acht ehrenamtliche Mitarbeiter wieder Arbeit gefunden haben, fehlen Helfer. In Frankfurt erhält die Tafel deshalb vom Jobcenter Ein-Euro-Jobber zugewiesen. In Offenbach stellt sich offenbar die Mainarbeit quer, kritisiert die Tafel-Chefin. Von Christian Reinartz

Mehrmals habe die Offenbacher Tafel-Chefin Christine Sparr persönlich bei Sachbearbeitern der Mainarbeit ihr Anliegen vorgetragen, sagt sie. Zweimal schon habe sie Anträge auf ein Euro-Jobber ausgefüllt. Und zweimal sind die Anträge offenbar bei der Mainarbeit verschwunden. Zumindest behauptet deren stellvertretende Leiterin, Charlotte Buri: „Bisher hat die Tafel keinen Antrag auf Einrichtung von Arbeitsgelegenheiten bei uns gestellt.“

Für Christine Sparr sind das faule Ausreden. „Bei der Mainarbeit hat die Offenbacher Tafel eben keine großen Sympathien“, sagt sie. „Aber es kann doch nicht sein, dass das Jobcenter in Frankfurt das anstandslos macht und die Mainarbeit uns da Steine in den Weg legt.“ Und wirklich: Steffen Römhild vom Frankfurter Jobcenter bestätigt den regelmäßigen Einsatz der Ein-Euro-Jobber. „Wir sehen da keine Probleme. Die Tafel erfüllt für uns alle Kriterien.“

Ehrenamtliche Helfer können sich unter Telefon (0171) 9293285 melden.

Das Kuriose: Christine Sparr leitet bei der Frankfurter Tafel die Ein-Euro-Jobber an, weist sie in die Arbeit ein. „Soll ich Frankfurter hier arbeiten lassen und denen noch die Fahrkarte bezahlen?“, fragt Sparr lakonisch.

Bei der Mainarbeit weist man die Vorwürfe weit von sich. Charlotte Buri: „Wir haben nichts gegen die Tafel. Selbstverständlich ist das ein Antragsteller, wie jeder andere. Wir müssen aber prüfen, ob sich das Aufgabenfeld anbietet.“ Doch bisher sei kein Antrag beim Amt eingegangen, sagt sie. Überhaupt höre sie zum ersten Mal von diesem Begehr.

Christine Sparr lässt das nicht gelten: „Ich habe schon von verschiedenen Seiten bestätigt bekommen, dass man bei der Mainarbeit die Tafel explizit nicht unterstützen will, und dass Frau Buri ganz genau wusste, dass wir Ein-Euro-Jobber benötigen.“

Als der EXTRA TIPP Charlotte Buri damit konfrontiert, reagiert sie ärgerlich und zieht sich auf die Aussage zurück: „Ich habe bis heute keinen ausgefüllten Antrag vorliegen.“ Jetzt will Christine Sparr ihr Glück aufs Neue versuchen und einen weiteren Antrag einreichen. Der EXTRA TIPP wird den Fall weiter im Auge behalten.

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