Jetzt geht das Apotheken-Sterben in der Region los

Region Rhein-Main – Das große Apothekensterben beginnt. Besonders trifft es die kleinen ländlichen Gemeinden südlich von Offenbach. Geht dort der Apotheker pleite, werden viele Menschen von der medizinischen Versorgung so gut wie abgeschnitten. Sozialverbände schlagen Alarm. Von Christian Reinartz

2,05 Euro. Das ist die Zahl, die ab Januar so manches Apothekerschicksal bestimmen wird. Das ist der Rabatt, den die Apotheken den Kassen laut Gesetz gewähren müssen. „Die Erhöhung kostet eine durchschnittliche Apotheke zwischen 7000 und 10000 Euro pro Jahr“, rechnet die Bundespräsidentin der Apothekerkammer, Erika Fink, vor. Bisher lag der Rabatt bei 1,75 Euro. Finke selbst betreibt eine Apotheke in Frankfurt und kennt die Sorgen der Kollegen in der Region ganz genau: „Manche stehen schon jetzt ziemlich schlecht da. Diese zusätzliche Belastung wird viele in die Pleite treiben.“

Wie sich das anfühlt, weiß ein Apotheker in einer Gemeinde bei Dieburg. Er will unerkannt bleiben, weil er befürchtet, dass noch weniger Kunden kommen, wenn er zugibt, wie schlecht es wirklich steht. „Ich werde meine Apotheke zumachen müssen, wenn jetzt noch ein paar Tausend Euro Umsatz wegfallen. Schon jetzt ist alles auf Kante genäht.“ Er steht für zahlreiche Apotheken in der Region.

Sozialverbände schlagen Alarm

Die hiesigen Sozialverbände sind deshalb alarmiert. „Die Apotheke ist gerade für alte Menschen in ländlichen Gebieten oft der einzige Anlaufpunkt für Gesundheitsfragen“, sagt Sylvia Schiavon, stellvertretende Leiterin der Dieburger Caritas-Sozialstation: „Fällt der weg, verlieren sie auch ein Stück Sicherheit.“ Viele alte Menschen der Region sind deswegen in heller Aufregung, heißt es.

Besonders prekär: Senioren, die bisher bei kleinen Wehwehchen die Apotheke aufgesucht haben, könnten dann dazu verleitet werden, diese unbehandelt zu lassen, warnenMediziner. Schließlich sei ein Arztbesuch meist mit erhöhtem Organisationsaufwand, wie einem Fahrdienst, verbunden.

Die aktuellen Zahlen des hessischen Apothekerverbands sind eindeutig. 20 Apotheken, doppelt so viele wie im vergangenen Jahr, haben schon jetzt zugemacht. Darunter viele aus der Region. Fünf weitere werden im Lauf des Dezembers erwartet. „Und wir rechnen mit noch mehr“, sagt Pressesprecherin Kirsten Müller-Kuhl. 2011 und 2012 würden sich ihrer Einschätzung nach diese Zahlen drastisch steigern. Sie warnt: „Bald ist die Versorgung in den ländlichen Gebieten nicht mehr gegeben.“

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