Jesus liegt im Keller von Klaus Schollenberger

"Sieh mal, da schaut uns einer an", hat Klaus Schollenberger zu seinem Freund Rudolf Walz gesagt, als die beiden beim Weihnachtsspaziergang auf ihre in eine Unterhaltung vertieften Frauen warteten.

Kaum zwei Meter vom Weg entfernt lag eine gefällte Buche mit der Nummer A69, aus der den Männern Jesus entgegenblickte.Beim Ansetzen des Greifarmes, um den Riesen-Stamm aus dem Gehölz zu ziehen, haben Waldarbeiter eine Schicht Rinde abgeschabt. Durch die Vertiefungen im Holz entstand so das Abbild von Gottes Sohn.br /br /"Ich bin sofort zum Auto gelaufen und habe die Kamera geholt", erinnert sich Schollenberger. Das Bild, einen Tag später veröffentlicht in der örtlichen Zeitung, schlug Wellen. Auch Fernsehwellen.br /br /Der Hessische Rundfunk filmte mit, als sowohl die weltlichen als auch kirchlichen Hoheiten von Roßdorf das "Weihnachtswunder" begutachteten. Bürgermeisterin Christel Sprössler gab sich dabei fest davon überzeugt, dass es sich um ein Wunder handelt.br /br /Mit der Kettensäge trennte ein Waldarbeiter schließlich ein 80 Zentimeter langes Teil des Stammes ab und schnitt es in fast handliche Viertel.Doch wie sollte der heilig anmutende Holzklotz konserviert werden? "Wir haben uns intensiv um die richtige Technik bemüht", sagt Schollenberger. Mehrere Experten versuchten, zu helfen.br /br /Markus Wittköpper vom Schiffsmuseum Mainz gab die besten Tipps: Aus dem Holz wurde eine schmale Scheibe mit dem Jesus-Gesicht herausgetrennt. Schrauben und Metallleisten fixieren sie, die Risse bestrich Schollenberger mit Holzleim. Das Ganze liegt nun zum trocknen in Schollenbergs Keller in einer Kiste mit Sägespänen, die die Mitarbeiter des Bauhofs von Roßdorf gezimmert haben. Eine große Pilgerschar erwartet Schollenberger, der evangelisch ist, nicht. "Wenn es eine Maria wäre, müsste ich das Haus wahrscheinlich gut einzäunen", sagt er.Mindestens ein Jahr, so sagt der 65-Jährige, werde es noch dauern, bis das Holz trocken ist. Ob das Gesicht dabei erhalten bleibt, liegt nun ganz allein in der Hand dessen, der dort abgebildet

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