Flugzeuge, Autos, Züge oder Feste

Rhein-Main: Jeden Tag vom Lärm umzingelt

Region Rhein-Main – Lärm hat viele Ursachen. Der kommende Mittwoch ist der Tag gegen Lärm. Der EXTRA TIPP leiht Geplagten sein Ohr, gibt ihnen eine Stimme und lässt Experten sprechen.

Rudolf Schulz (links) und Karl Heinz Bauernfeind von der Bürgerinitiative „Obertshausen gegen Fluglärm“.

Die Zahlen, die sich Karl Heinz Bauernfeind  und Rudolf Schulz  zusammen gestellt haben, sprechen für sich. Zirka 199.000Flugzeuge  überfliegen im An- oder Abflug jährlich Obertshausen. Auf der angrenzenden A3, die im Berufsverkehr auf bis zu acht Spuren anwächst, rauschen täglich bis zu 108.000 Autos

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 "Volle Dröhnung"

und geschätzte 22.000 Laster vorbei. Die vierspurige B448, die Obertshausen in zwei Teile teilt, nutzen täglich bis zu 27.000 Pkw und Lkw. Obertshausen, darin besteht kaum ein Zweifel, gehört zu den zentralsten, aber auch zu den am lärmgeplagtesten Städten im Rhein-Main-Gebiet. „Wir bekommen den Flughafen nicht weg und auch nicht die A3“, sagen die beiden Mitglieder der Bürgerinitiative „Obertshausen gegen Fluglärm“. Aber: Es muss was getan werden. Die erklärten Ziele sind: Nachtflugverbot von 22 bis sechs Uhr, Tempolimit und Flüsterasphalt auf der A3. Sogar eine Einhausung wie bei Stockstadt können sie sich vorstellen. Um noch mehr Bürger zu mobilisieren, laden sie für Samstag, 3. Mai, um 14 Uhr zur Fahrrad-Demo. Treffpunkt ist der Parkplatz an der Friedrich-Ebert-Straße. Von dort geht’s zum Naturfreundehaus am Rembrücker Weg.

100. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen

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Am Frankfurter Flughafen hingegen kämpfen weiterhin beharrlich Flughafengegner und Lärmkritiker. Am Montag, 19. Mai, wird die 100. Montagsdemo stattfinden. „Wir machen weiter wie bisher“, prophezeit Carola Gottas, Sprecherin der Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim, den Kampf gegen den Fluglärm und Wirbelschleppen. Sie und ihre Initiative fordern unter anderem: Terminal drei stoppen, jährliche Flugbewegungen auf 380.000 begrenzen, Nachtflugverbot einhalten. „Fluglärmpausen wie sie die neue Landesregierung ab 2015 verspricht, verschieben nur den Lärm. Das ist keine Lösung. Lärm macht krank, das wurde in einer Studie nachgewiesen.“ Ohnehin sei man von der schwarz-grünen Landesregierung enttäuscht. Gottas: „Wir werden durchhalten, weil wir müssen, damit sich etwas ändert.“ Zumindest ein Teilerfolg: Lärm werde mittlerweile deutschlandweit als Problem wahrgenommen.

Die Menschen sind empfindlicher

Dietrich Kühner, Sachverständiger für Akustik und Verkehrslärm, der schon Gutachten fürs Rhein-Main-Gebiet erstellt hat, erklärt: „Wissenschaftlich ist festzuhalten, dass die Menschen heutzutage anders auf vergleichbaren Lärm reagieren wie früher. Und: Sie reagieren stärker auf die gleiche gemessene Lärmüberschreitung durch 100 Flugzeuge, als wenn die gleiche Belastung nur durch ein oder zehn Flugzeuge verursacht wird.“ Die gemessene Dezibel-Belastung sei im Mittel aber gleich. Die Anzahl der Störungen macht den Mensch empfindlicher.

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Auch eine Masse von Menschen kann einen gehörigen Lautstärkepegel erzeugen. Das wissen die Anwohner des Friedberger Marktes in Frankfurt genau. Jeden Freitag versammeln sich Bewohner auf dem Platz – innerhalb weniger Jahre ist die Zahl wöchentlich auf bis zu 3000 Menschen gestiegen. Die Anwohner-Initiative „Leben am Friedberger Platz“ ging vor Gericht – das Verwaltungsgericht Frankfurt wies die Klage ab. Zwar würden die Lärmpegel die Richtwerte für den Zeitraum nach 22 Uhr überschreiten. Dennoch könne die Stadt nicht verpflichtet werden, die Feiern zu untersagen. Und das obwohl Messungen der Initiative an gut besuchten Tagen mehr als 75 Dezibel ergeben haben. Das bedeute, der Lärm sei bis zu viermal lauter als an einem normalen Tag, heißt es von den Anwohnern.

Bilder vom vermüllten Friedberger Platz

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Für eine von den Anwohnern erhoffte allgemeine Regelung gegen die Feier gebe es keine Grundlage. Mit der Berufung vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel scheiterten die Anwohner. nkö/db/pöp/agk

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