Irrer Richterspruch: Ihre Püppy hatte keinen Restwert mehr

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Ein Bild aus guten Tagen. Die Yorkshire-Terrier-Hündin Püppy verendete kurz danach während einer Behandlung in einer Frankfurter Tierklinik. Oben:

Region Rhein-Main – Cornelia Breitsprecher wollte nur Gerechtigkeit für den Tod ihrer Yorkshire-Terrier-Hündin Püppy. Die war während der Behandlung in einer Frankfurter Tierklinik plötzlich verendet. Doch vor Gericht bekam Breitsprecher jetzt zu hören, dass ihre geliebte Hündin keinen Marktwert mehr gehabt habe und deshalb eine Schadensersatzforderung sinnlos sei. Von Christian Reinartz

Cornelia Breitsprecher hält eines der Erinnerungsfotos an ihre Püppy hoch.

Tiere sind keine Sachen. Wenn es aber um das Gesetz geht, sind sie es doch irgendwie. Zumindest für eine Richterin am Frankfurter Amtsgericht. Die spricht nämlich in ihrem Urteil vom 5. Mai von „Vergänglichkeitsrisiko“, „Altersentwertung“ und „Altersabschreibung“. Und davon, dass Tiere in der rechtlichen Behandlung Sachen gleichstehen.

Letztendlich kommt sie zu dem Schluss, dass Püppy keinen Marktwert mehr gehabt habe und deswegen Cornelia Breitsprecher auch kein Schadensersatzanspruch zusteht.

„Aber dass die Klinik für den Tod meiner Kleinen verantwortlich ist, das interessiert niemanden“, sagt Breitsprecher mit Tränen in den Augen: „Die kommen ungeschoren davon, bloß, weil diese Richterin meint, dass eine kranke, achtjährige Yorkshire-Terrier-Hündin nichts wert ist.“ Dabei sei es ihr gar nicht um das Geld gegangen, versichert Breitsprecher, sondern um die Sache. „Denn es gibt ja im Gesetz keine andere Möglichkeit, den Fall vor Gericht zu bringen“, sagt sie verbittert: „Weil der Tod eines Tieres einfach nur eine Sachbeschädigung ist.“

Bernhard Olp, Vizepräsident beim Amtsgericht Frankfurt, bestätigt das. „Auch wenn es für einen Menschen, der ein Tier liebt, schwer zu verstehen ist.“ Allerdings verweist er auf die Möglichkeit, dass ein anderer Richter auch einem kranken Tier sehr wohl einen Wert zumessen könne. „Wenn die Frau das Gefühl hat, ihr ist Unrecht geschehen, hat sie die Möglichkeit der Berufung.“

Ein anderer Jurist, der namentlich nicht genannt werden möchte, formuliert es eindeutiger: „Dieses Urteil ist zwar juristisch korrekt, aber nicht weise.“ Denn gerade, weil es der Frau ja offensichtlich nicht um eine echte Entschädigung gegangen sei, sondern darum, dass ihrem Hund Gerechtigkeit widerfährt, wäre etwa die Annahme eines Restwerts von einigen wenigen Euro ein Weg gewesen, mit dem alle Parteien hätten leben können.“

Cornelia Breitsprecher will jetzt in Berufung gehen: „Ich hoffe nur, dass für den nächsten Richter Tiere nicht auch wertlos sind.“

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