Initiative geplant:

Markus Pelletier will Bulgarinnen vor dem Puff bewahren

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Markus Pelletier zeigt auf das Doppelbett, das zur Zeit in seinem Wohnzimmer stand. Hier gewährte er vier Bulgaren Unterschlupf. Unten: Per Internet telefoniert er regelmäßig mit seinen Schützlingen in Bulgarien.

Eschborn/Rodgau – Rumänen und Bulgaren überschwemmen die Region. Sie kommen, weil sie Arbeit suchen, weil sie Geld verdienen wollen. Doch ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft endet oft im Leid. Markus Pelletier hat das erlebt, als er vier Bulgaren Unterschlupf gewährte. Von Christian Reinartz

Nun will der Rodgauer einen Unterstützerkreis gründen, der sich um solche Fälle kümmert. Im EXTRA TIPP berichten zwei seiner Schützlinge nun, wie sie eigentlich nur zum Arbeiten nach Deutschland kamen, aber im Puff landeten.

Vier Bulgaren aus der Kälte auf den Bauernhof

Es ist eiskalt. In einem Auto am Feldrand schlafen zwei Frauen und zwei Männer, die bitterlich frieren. Ein Nachbar will helfen, verfrachtet sie in eine Garage, doch dort müssen sie wenig später raus. Markus Pelletier bekommt das mit, will helfen. In gebrochenem Deutsch erfährt er, dass die vier jungen Leute aus Bulgarien stammen und hier Arbeit suchen. Ein Dach über dem Kopf haben sie nicht.
Pelletier fasst sich ein Herz und bietet den vier frierenden Bulgaren an, bei ihm unterzukommen. Pelletier wohnt unkonventionell auf einem alten Bauernhof am Ortsrand. Ein Öfchen in der Mitte des Wohn- und Esszimmers sorgt für wohlige Wärme. Eine Heizung gibt es nicht. Für die Bulgaren trotzdem Luxus. Sie können es gar nicht glauben, dass jemand so herzensgut ist – öffnen sich langsam und erzählen Pelletier ihr Geschichte.

Hilfe zu organisieren, ist fast unmöglich

Die Vier sind in der Zwickmühle. Zuhause wartet die Familie auf finanzielle Unterstützung aus dem reichen Deutschland. Dass sie hier keinen Job finden, ahnt zu Hause niemand. „Also haben wir beschlossen, anschaffen zu gehen“, sagt Sofia: „Das war furchtbar. Aber es gab keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen.“ In einem Eschborner Bordell arbeiten sie 15 Stunden. „Da haben wir, wenn es viele Gäste waren, am Ende 80 Euro bekommen“, sagt Jannica. 80 Euro, mit denen in Bulgarien ihre Familie eine Woche lang leben kann. „Das ist viel Geld, auch wenn ich weiß, dass das für Deutschland ein Witz ist“, sagt Sofia verbittert.

Als Pelletier das hört, versucht er Hilfe zu organisieren. „Aber das ist fast unmöglich“, sagt der 39-Jährige. Auch Gespräche mit dem Kreis Offenbach bringen nichts. Kreissprecher Ralf Geratz-Krambs: „Solange diese Leute hier nicht gemeldet sind, ist ihre Heimatbehörde zuständig.“

Pelletier organisiert 10.000 Euro für wichtige OP

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Als einer der Männer schwer erkrankt, wird ein Tumor im Rücken diagnostiziert. Versichert sind die Bulgaren in ihrer Heimat ebenfalls nicht. Also gibt es auch keine Hilfe von deutschen Ärzten. Pelletier beschließt zu helfen. Er leiht sich Geld, unterstützt seine Freunde, lässt den Mann in Bulgarien operieren. 10.000 Euro sind so zusammengekommen. „Aber mehr, kann ich nicht geben“, sagt er verzweifelt. Pelletier ist aber überzeugt: „Diese Menschen wollen mich nicht ausnutzen. Ich habe das alles freiwillig investiert, weil ich nicht wollte, dass diese armen Frauen weiter anschaffen gehen müssen.“
Sie sind ihm dankbar. „Markus gehört für uns schon zur Familie“, sagt Sofia. Man sieht, dass sie weiß, was er für sie und ihre Freunde getan hat. Und sie weiß, dass sie es ihm wahrscheinlich nie zurückzahlen kann. Pelletier hofft nun, dass sich weitere Helfer melden, die mit ihm einen Unterstützerkreis aufbauen. „Da draußen gibt es noch sehr viel mehr solche Fälle. Diese Menschen hätten dann endlich eine Anlaufstelle. Dann könnte viel Leid verhindert werden.“

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