Initiative klagt

Mietlagenzuschlag: Alle Bockenheimer zahlen drauf

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Der Miet-Zuschlag trifft Villen-Bewohner der Zeppelinstraße ebenso wie Mieter der belebten Adalbertstraße in Bockenheim.

Frankfurt – Studenten überrennen Frankfurt, aber bezahlbaren Wohnraum gibt es für sie kaum. Wenn sie in der Nähe der Uni in Bockenheim wohnen, müssen sie auch noch drauf zahlen, egal in welchem Zustand ihre Wohnung ist. Anette Mönich von der Initiative „Zukunft Bockenheim“ hält den Lagezuschlag für nicht rechtens. Von Angelika Pöppel

Der Lagezuschlag muss fallen“, sagt Anette Mönich von der Initiative „Zukunft Bockenheim“. Durch diesen Zuschlag zahlen alle Mieter in den Stadtteilen Nordend, Westend, Innenstadt und in Teilen von Sachsenhausen und Bockenheim drauf. Mieter müssen allein für die Lage 1,87 Euro je Quadratmeter mehr bezahlen. In Bockenheim kommen 1,24 Euro pro Quadratmeter zur Miete hinzu. Bei einer Wohnung mit 50 Quadratmetern sind das gleich 62 Euro mehr.

Rolf Janßen

Die Mieterhöhung sind für viele Wohnungen nicht gerechtfertigt“, sagt Rolf Janßen vom Frankfurter Mieterschutzverein. Der Verein hat sich schon 2011 gegen den Zuschlag ausgesprochen und ist gescheitert. Auch dieses Jahr wollen sie verhindern, dass der Lagezuschlag erneut in den Mietspiegel übernommen wird.

Wenn es so weiter gehe, liege die Durchschnittsmiete in wenigen Jahren bei über zehn Euro pro Quadratmeter. Derzeit beträgt sie 7,78 Euro. Generell gilt: Je kleiner und je jünger eine Wohnung ist, umso höher ist der Quadratmeterpreis. Für eine 20-Quadratmeter-Wohnung, die zwischen 2002 und 2009 gebaut wurde, sind 17 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Eine Wohnung mit 150 Quadratmetern aus den 50er Jahren kostet dagegen nur 4,44 Euro pro Quadratmeter. Für Altbauwohnungen müssen Mieter wieder mehr bezahlen, weil diese meistens saniert werden mussten.

Nicht nur Wohnungen für die Reichen

Die Erhöhung trifft Familien und Studenten besonders hart. „Irgendwann können sich Bewohner mit mittlerem Einkommen keine Wohnung mehr in den stadtnahen Vierteln leisten“, sagt Janßen. Am Ende bleiben nur noch die zahlungskräftigen Mieter übrig. Deshalb fordert der Verein Wohnraum für jeden Geldbeutel: „Städtische Wohnungsgesellschaften dürfen nicht nur teure Luxus-Wohnungen bauen."

Auch die Bockenheimer fordern bezahlbaren Wohnraum, besonders für Studenten. „In den neugebauten Wohnheimen in Bockenheim müssen Studenten rund 450 Euro zahlen. Das ist zu viel“, sagt Mönich. In den letzten Jahren wurden in Bockenheim überwiegend Eigentumswohnungen gebaut. Der Bau an Mietwohnungen und Sozialwohnungen stagniere, sagt Mönich. „Studenten werden so aus der Stadt vertrieben.“

Doch Anette Mönich will nicht aufgeben: „Der Lagezuschlag ist nicht rechtens. Denn die Befragung zum Mietspiegel wurde nicht dokumentiert.“ Somit sei die Erhöhung nicht nachprüfbar und damit auch nicht zulässig. „Es ist eine Katastrophe, dass Mieter in Wohnungen, die an der lauten Straße liegen und keine besondere Ausstattung haben, genauso drauf zahlen, wie die Bewohner der Villengegend.“ Deshalb wird sie im März mit der Mietspiegel-Kommission neu verhandeln.

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