Am François-Mitterrand-Platz

Spritzen, Dreck, Angst: Junkies belagern Frankfurter Büros

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Am François-Mitterrand-Platz in Frankfurt, hinter parkenden Autos spritzen sich täglich mehrere Junkies ganz öffentlich Heroin.

Frankfurt -  Zwischen Bürogebäuden in Frankfurt spritzen sich bis zu zehn Junkies gleichzeitig ganz öffentlich Heroin, pöbeln Passanten an und hinterlassen ihr blutiges Besteck. Von Angelika Pöppel

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Sie packen ihre Utensilien aus, verteilen Spritzen, Crackpfeifen und Heroin-Löffel auf dem Fußweg. Dann wird nach der letzten freien Einstichstelle am Körper gesucht, um den Schuss zu setzen. Drogenabhängige, die völlig ungeniert in der Öffentlichkeit ihrer Sucht nachgehen, kennen Frankfurter im Bahnhofsviertel – ander Elbestraße oder der Moselstraße. Doch seit einigen Wochen versammeln sie sich immer wieder auf dem François-Mitterrand-Platz an der Mainzer Landstraße.
Zwischen den Bürogebäuden, hinter parkenden Autos, am Bauzaun einer Baustelle aber auch auf den Sitzmöglichkeiten vor Ort wird gedealt, abgeklemmt, gespritzt und der Rausch ausgeschlafen. Zurück bleiben zahlreiche blutige Spritzen auf dem Gehweg. Es stinkt nach Urin. Passanten und Angestellte der naheliegenden Büros sind eingeschüchtert. „Die Parkplätze werden von den Mitarbeitern gemieden“, sagt Personalleiterin Bojana Dosseva vom IT-Dienstleister FDM, die von ihrem Bürofenster direkt auf den Platz schaut.
Auch in der Mittagspause bleibe sie manchmal lieber im Büro. „Es ist auch sehr unschön, wenn wir hier unsere Kunden empfangen, die sich erstmal den Weg durch benutzte Spritzen bahnen müssen“, sagt Dosseva. Die Polizei zeigt sich dagegen nicht überrascht. „Der Platz gehört zum Bahnhofsviertel. Und es ist nichts Neues, dass sich die Abhängigen immer wieder neue Plätze suchen“, sagt Marco Weller, Leiter des vierten Reviers. Das Problem ist auch bei der Stabstelle Sauberes Frankfurt bekannt. „Wir haben bereits mit den Mietern der Bürogebäude gesprochen. Eine Feger-Truppe beseitigt jeden Morgen die Hinterlassenschaften“, sagt Leiter Peter Postleb. Die Baustelle sei ein Anziehungspunkt für die Drogenabhängigen. Auch die Polizei kontrolliert verstärkt. „Wir können sie nur wegschicken. Aber ich verstehe den Unmut der anliegenden Firmen“, sagt Reviersleiter Marco Weller.

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Bilder von den Junkies an der Mainzer Landstraße in Frankfurt

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