Immer mehr Chlor-Opfer melden sich

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So berichtete der EXTRA TIPP

Frankfurt – Nach dem EXTRA-TIPP-Bericht (siehe Ausriss) über eine Familie, die seit Monaten unter dem Chlor im Frankfurter Trinkwasser leidet, melden sich jetzt immer mehr Einwohner zu Wort und klagen über das stinkende Nass aus der Leitung. Von Christian Reinartz

Ob aus Kalbach, Nieder-Eschbach, Römerstadt, Ginnheim – zahlreiche Leser haben sich gemeldet und die Beobachtung von Natascha Freier und ihrer Tochter Lara bestätigt. „Wenn wir duschen, riechen wir nicht nach Shampoo, sondern nach Chlor“, klagt etwa ein Anwohner der Ernst-Kahn-Straße: „Extremer Haarausfall war bei mir die Folge.“ Auch die Frankfurterin Ursula Wacker hat es bemerkt: „Ich habe festgestellt, dass unser Leitungswasser schon seit geraumer Zeit viel Schmutz enthält.“ Daraus resultierten gelbbräunliche Ablagerungen im Waschbecken. Ähnliches schreibt eine Leserin: „Seit Wochen kaufe ich Trinkwasser hinzu. Ich reagiere auf Chlor mit Reizungen der Atemwege und Schleimhäute.“

Der EXTRA TIPP hat bei den Oberhessischen Versorgungsbetrieben nachgehakt. Von denen soll nämlich das angeblich mit Chlor versetzte Wasser ursprünglich stammen. Deren Experte Franz Poltrum erklärt, warum regelmäßig Chlor ins Frankfurter Wasser gelangt. „Wir müssen die Dosierungsanlagen für das Chlordioxid einmal pro Woche für maximal eine Stunde laufen lassen, damit sie im Ernstfall einsatzbereit sind.“ Zwischen 1000 und 2000 Kubikmeter Wasser würden so gechlort werden. „Diese Menge dürfte in Frankfurt aber eigentlich niemand mehr bemerken.“

Kein Trost für die Chlor-Gepeinigten

Eine Chlorung darüber hinaus finde nur bei Bedarf statt, etwa, wenn Coli-Bakterien ins Wasser gelangt seien oder Bauarbeiten am Rohrsystem vorgenommen werden müssten.

Für die Chlor-Gepeinigten ist das kein Trost. Sie können das Chlordioxid im Wasser offenbar riechen und leiden unter gesundheitlichen Folgen. Ein EXTRA-TIPP-Leser: „Der Chlorgestank ist teilweise unerträglich. Ich finde, wir haben schon genug Chemie im Einsatz. Was sollen wir uns sonst noch zumuten lassen?“

Annette Rinn, Fraktionsvorsitzende der FDP im Römer, will jetzt politisch Druck machen: „Ich werde im Parlament eine Anfrage stellen, damit dieser Sache nachgegangen wird.“

Auch im Gesundheitsamt kommt Bewegung auf, als der EXTRA TIPP nachfragt. „Wir bieten jedem Frankfurter, der zu viel Chlor in seinem Trinkwasser vermutet, eine Prüfung an“, sagt Dr. Ursel Heudorf, Leiterin der zuständigen Abteilung im Gesundheitsamt: „Und wenn wir keine überhöhten Werte finden, schaue ich mir persönlich die Krankengeschichte der Betroffenen an, und wir versuchen eine Lösung zu finden.“

Chlor-Geschädigte können sich telefonisch unter (069) 212-38971 melden.

So berichtete der EXTRA TIPP das Chlor-Drama

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