Langenerin abgezockt

Illegaler Import von Diät-Pillen: Online-Käuferin muss Strafe zahlen

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Zwei Diät-Präparate, zwei mal Ärger: Nicht nur, dass Miriam S. zu Unrecht zuviel von ihrem Konto abgebucht wurde, sie wird auch mit einem Bußgeld bestraft.

Region Rhein-Main – Sie wollte unverbindlich zwei Diät-Präparate  testen. Plötzlich stellt Miriam S. (Name geändert) auf ihrem Konto unberechtigte Abbuchungen fest und wird mit dem Vorwurf der Einfuhr illegaler Arzneimittel konfrontiert. Von Dirk Beutel 

Sie wollte ganz ohne Risiko und unverbindlich zwei Testproben zum Abnehmen ausprobieren – auf pflanzlicher Basis. Ein paar Wochen später sitzt Miriam S. vor einem kleinen Blätterberg, einem finanziellen Schaden von knapp 210 Euro und dem Vorwurf, illegale Arzneimittel nach Deutschland eingeführt zu haben.

Rückblick: Als die 37-Jährige im Internet auf die Pillen stößt, bestellt sie eine Packung. Kosten 4,99 Euro, der Versand sei kostenlos. Für die Bestellung gibt die Langenerin ihre kompletten Adressdaten an, wählt zur Zahlung die Abrechnung per Visa-Karte.

Schon die Woche darauf kam die bestellte Probe. „Für mich war bis dahin alles in Ordnung“, sagt S.. Bis sie ihre Visa-Daten kontrollierte. Auf der Kreditkartenabrechnung entdeckte sie zwei Abbuchungen von jeweils 69,99 Euro. Ihr Konto wurde mittlerweile belastet.

Unternehmen hat Sitz in Holland

S. reagiert als zum dritten Mal abgebucht wird: „Ich habe sofort die Firma angeschrieben und die Abbuchung  moniert. Bis heute gab es keine Reaktion.“ In der Zwischenzeit findet sie heraus, dass das Unternehmen seinen Sitz in den Niederlanden hat. Weil die Internetseite jedoch komplett in Deutsch gestaltet war, ging S. von einem deutschen Unternehmen aus. Erst als es der Langenerin zuviel wird und sie ihre Visa-Karte sperren lässt, bekommt sie Nachricht: „Ich sollte meine Kreditkartendaten überprüfen, damit ich weiterhin die Kapseln  zugeschickt bekomme.“ Doch kein Wort zu den 69,99 Euro.

Aber es geht noch weiter, denn S. hatte fast zeitgleich noch ein Diät-Präparat geordert – kostenlos, nur der Versand von 2,50 Euro wurde berechnet. Doch die Sendung kam nicht an. Stattdessen eine Nachricht vom Regierungspräsidium Darmstadt  und der Vorwurf der Einführung eines in Deutschland nicht zugelassenen Arzneimittels aus China. Anstelle eines pflanzlichen Präparats, handele es sich um ein Abführmittel, das in Deutschland nicht zugelassen ist. Nicole Ohly-Müller, Sprecherin des Regierungspräsidiums erklärt: „Bei Dauergebrauch kann eine gefährliche Dehydration des Körpers entstehen. Außerdem dürfen nach dem Arzneimittelgesetz  Privatpersonen nur in Deutschland zugelassene Arzneimittel auf dem Versandweg in den Geltungsbereich des Arzneimittelgesetzes verbringen.“

Ordnungswidrigkeit begangen

Im Klartext: S. wird eine Ordnungswidrigkeit  zur Last gelegt, die nach Angaben des Regierungspräsidiums mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 35 Euro oder Bußgeldern in Höhe von etwa 100 bis zu 300 Euro bestraft werden kann. Was auf S. zukommen wird, ist noch unklar, das Verfahren läuft .

Die Einfuhr illegaler Medikamente – damit muss sich das Hauptzollamt Frankfurt  immer öfter herumschlagen. Denn das Bestellen verschreibungspflichtiger Arzneimittel über das Internet aus dem Ausland nimmt offenbar zu. Dabei riskieren Zehntausende nicht nur ihre Gesundheit, sondern aufgrund fälliger Bußgelder auch zusätzliche Kosten. Die Anzahl der beim Zollfahndungsamt  geführten Ermittlungsverfahren ist von 2011 auf 2012 um satte 170 Prozent, von 236 auf 644 gestiegen. Vor allem Schlankheitspräparate, Anabolika, Schmerz- und Potenzmittel  sowie Anti-Baby-Pillen werden eingezogen.

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