Offenbach und Frankfurt haben aufgegeben

Illegale Müll-Entsorgung: Städte kapitulieren und räumen Abfall einfach weg 

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Übervolle Tonne, daneben abgestellte Säcke: Ein Bild, dass sich den Müllentsorgern in Rhein-Main immer häufiger bietet.
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Region Rhein-Main – Wenn’s um Müll geht, vergessen immer mehr Menschen ihre Manieren. Die Folge sind illegale Entsorgung in öffentlichen Papierkörben oder überquellende Mülltonnen. Die Städte haben in einigen Problemvierteln offenbar längst kapituliert. Von Christian Reinartz

„In bestimmten Straßen in der Innenstadt räumen wir oft alles weg, was an Müll dasteht“, sagt ein Mitarbeiter der städtischen Müllentsorgung in Offenbach. Darüber, dass die Tonnen viel voller sind als erlaubt und daneben oft noch Müllbeutel auf dem Gehsteig liegen, sehe man häufig hinweg. „Wenn wir das nicht wegräumen, würden das ewig liegenbleiben.“

Eine Schilderung, der der Sprecher der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO, Oliver Gaksch, vehement widerspricht. „Bei uns gibt es keine Anweisung, den Müll einfach mitzunehmen“, stellt er klar. Wer sich nicht an die Vorgaben halte, müsse damit rechnen, dass die Tonne stehen gelassen wird. „Das ist unabhängig vom Stadteil.“ Dennoch räumt er ein: „Es kann natürlich sein, dass der ein oder andere Müllwerker sich vor Ort entscheidet, mal ein Auge zuzudrücken.“

Rechnung geht an Eigentümer

In Frankfurt hat die Entsorgungs- und Service Gesellschaft (FES) mittlerweile kapituliert und räumt den Müll weg, egal ob der legal oder illegal entsorgt wurde. FES-Sprecherin Stephanie Pieper: „Vor allem in größeren Wohnanlagen und Vierteln mit dichtem Siedlungscharakter haben wir immer wieder Probleme mit der Müllentsorgung.“ Früher habe man noch eine Rechnung etwa an die Wohngesellschaften gestellt, und dann den Müll irgendwann notgedrungen entsorgt. Auch, wenn nicht gezahlt wurde. Dieses Prozedere wurde Anfang des Jahres umgedreht. Pieper: „Wir fahren sämtlichen Müll ab, auch, wenn einfach die Tüten neben den Tonnen stehen.“ Die Rechnung werde später vom Kassenamt der Stadt an die Eigentümer gestellt und eingetrieben. „Zuvor dokumentieren wir die Müllablagerungen jedoch genau.“

Bad Homburg zeigt sich kulant

Auch in Bad Homburg scheint es normal zu sein, dass überschüssiger Müll erstmal weggeräumt wird. Stadtsprecher Andreas Möring: „Wir legen Wert auf eine saubere Stadt. Deshalb entscheiden wir von Fall zu Fall.“ Insbesondere, wenn es ein Einzelfall ist, zeige sich die Stadt kulant. „Wenn wir allerdings dauerhaft überfüllte Tonnen vorfinden, suchen wir das Gespräch.“

Und scheinbar bleibt den Städten kaum etwas anderes übrig, wenn sie eine dauerhafte Vermüllung verhindern wollen. „Wir haben ja auch schonmal die überschüssigen Säcke stehen lassen“, sagt der Offenbacher Müllentsorger „Die haben eine Woche später immer noch dagestanden.“

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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