Illegale Dosen geben Rätsel auf

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Eine dänische Coca-Cola-Dose ohne Pfandetikett.

Region Rhein-Main – Ob in Frankfurt, Offenbach oder Bad Homburg: Im Rhein-Main-Gebiet tauchen immer wieder illegale Getränkedosen auf. Seit einigen Jahren schon gilt die Verpackungsverordnung. Und die besagt, dass auf jede Dose 25 Cent Pfand erhoben werden muss. Um das zu umgehen, werden an vielen Kiosken aus dem Ausland importierte Dosen verkauft. Von Norman Körtge

Es sind rot-weiße, silber-blaue, orange-braune, grün-gelbe Dosen bekannter Getränkehersteller, die in Mülleimern liegen und an Straßenrändern und Bahngleisen die Umwelt verschmutzen. Auch einigen EXTRA TIPP-Lesern ist das schon aufgefallen. Ebenso eine wichtige Kleinigkeit: Allen diesen Dosen fehlt das Pfandetikett und die Schrift ist in den seltensten Fällen deutsch. Wer das Aufgedruckte auf Coca-Cola-Dosen lesen möchte, muss die dänische Sprache beherrschen, bei Red-Bull-Dosen ist groß der Preis von 1,35 britischen Pfund aufgedruckt. Und die in Neu-Isenburg bei Pepsico abgefüllten Schwipp-Schwapp- und Mirinda-Dosen sind laut Aufdruck für den Export bestimmt. Die Dosen scheinen allesamt offensichtlich nicht für den deutschen Markt produziert worden zu sein.

Die meisten dieser pfandfreien Dosen stammen aus Kiosken, die es in den Städten der Region an jeder Ecke gibt. Dort stehen Cola, Fanta und Co. gleich palettenweise im Regal. So mancher Leser hat beim Kauf vorsichtshalber nochmal nach dem Pfand gefragt - und nur ein Kopfschütteln als Antwort bekommen. Bleibt die Frage: Warum dürfen Geschäfte diese Dosen verkaufen, obwohl es zu den grundlegenden Zielen der Verpackungsverordnung gehört, „...die Auswirkungen von Abfällen aus Verpackungen auf die Umwelt zu vermeiden“?

Eine Antwort darauf kann Gerhard Müller vom Regierungspräsidium Darmstadt nicht geben. Allerdings ist ihm das Thema nicht unbekannt und er bestätigt: „Das ganze ist illegal.“ Jede auf dem deutschen Markt verkaufte Dose falle laut dem Gesetz unter die Pfandregelung. Das Regierungspräsidium als zuständige Behörde führt aber nicht aus eigenem Antrieb Kontrollkäufe durch. „Wenn uns aber ein Verstoß angezeigt wird, und man uns das auch genau belegen kann, gehen wir dem natürlich nach“, sagt Müller. Zunächst gibt es dann eine Verwarnung. Würde bei einer Nachkontrolle immer noch dagegen verstoßen, drohen Bußgelder von bis zu mehreren tausend Euro.

Auch Getränkeproduzent Pepsico tappt im Dunkeln. Sprecherin Astrid Williams bestätigt, dass die Dosen ins Ausland exportiert werden. „Wenn diese Ware sich in der Folge auf dem deutschen Markt wiederfindet, geschieht dies ausschließlich durch das Einwirken Dritter“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.

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