Hinweise entlarven illegale Abfallentsorger

Erwischt: Müllsünder immer dümmer

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Region Rhein-Main – Alte Autoreifen, Farbeimer, Hausmüll – die Zahl der illegalen Abfallentsorgungen auf Waldwegen oder am Fahrbahnrand nimmt zu. Doch die Ordnungsämter haben leichtes Spiel. Denn die Müllgauner werden offenbar immer dümmer. Von Christian Reinartz 

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Es scheint in den Köpfen vieler Menschen mittlerweile ein Kavaliersdelikt zu sein, den eigenen Müll im öffentlichen Raum zu entsorgen. Vorzugsweise an verlassenen Waldwegen oder Parkplätzen landen dieser Nächte alte Farbeimer, Matratzen, Autoreifen, aber auch Haus- und Sperrmüll. Die Fallzahlen steigen an. Das liegt aber nicht nur daran, dass immer mehr Menschen in der Natur unterwegs sind und die Ablagerungen den Ordnungsämtern der Städte im Rhein-Main-Gebiet melden. „Gerade jetzt gibt es viele, die ihre Gartenhütte ausmisten oder einfach renovieren“, sagt Michael Eickenboom  von der Stabsstelle Sauberes Frankfurt. Und auch in Offenbach gehen die Zahlen im Frühling nach oben.

Doppelt so viele Täter ermittelt worden

Doch die Müllgauner werden nicht nur mehr, sondern offenbar auch immer dümmer. Denn allein in Offenbach sind 2013 fast doppelt so viele Täter vom Ordnungsamt ermittelt worden, wie im Vorjahr – wohlgemerkt ohne, dass die Zahl der Ermittler zugenommen hätte.

„Die Leute, die das machen, werden so wie es aussieht wirklich immer dümmer“, sagt Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamtes. „Anders kann man sich das kaum erklären.“ Denn immer häufiger hinterlassen die Übeltäter in ihrem Müll gleich einen Hinweis auf sich selbst. „Oft finden wir da sogar die ganze Anschrift auf weggeschmissener Post“, sagt Weigand. Das sei zwar auch schon früher der Fall gewesen, allerdings seltener. „Oft finden wir auch Zeugen, die die Täter beobachtet haben.“

In Frankfurt werden ebenfalls immer mehr Müllentsorger vom Ordnungsamt überführt. „Wir haben denselben Trend wie in Offenbach“, sagt Sprecher Michael Jenisch. Die Gründe dafür könne er aber nicht eindeutig benennen. „Sicherlich liegt es zum Teil daran, dass die Leute nicht nachdenken und deshalb geschnappt werden. Aber unsere Ermittler haben im Laufe der Zeit auch einen besseren Riecher bekommen. Dadurch sind sie erfolgreicher.“

Im Taunus weniger Hinweise

Schlauer sind die Gauner offenbar noch im Taunus – und ordentlicher. Zwar finden in Hofheim die Müllermittler nur sehr selten einen Hinweis auf den Verursacher, versichert Stadtsprecher Harald Haaker. Die Fälle von illegaler Hausmüllentsorgung seien aber auch hier gestiegen. „Bei uns entsorgen die Täter das aber in den öffentlichen Papierkörben.“

Auch in Bad Homburg gehen die Fallzahlen in den Frühlingsmonaten in die Höhe, sagt Sprecher Andreas Möring: „Aber wir finden nicht häufiger Adressen im Müll.“ Eine verstärkte Aufklärung der Fälle sei deshalb nicht zu verzeichnen.

Müllgauner sollten sich aber grundsätzlich nicht allzu sicher fühlen. Denn einfach nur die eigene Adresse wegzulassen, langt nicht, um die Müllermittler abzuhängen, versichert Peter Weigand vom Offenbacher Ordnungsamt. Es gebe auch noch ein paar andere vielversprechende Mittel, um Verursacher ausfindig zu machen. „Aber das bleibt unser Betriebsgeheimnis.“

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