„Ihr treibt uns in den Ruin!“

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Hans-Jürgen Otto und Tochter Claudia Zoll sind sauer auf die Stadt, weil die alle Aufträge an ein Offenbacher Unternehmen gibt.

Langen – Weil die Stadt Langen Vorbehalte gegen einen örtlichen Abschlepp-Unternehmer haben soll, müssen Falschparker ihre Autos seit über zwei Jahren aus Offenbach abholen. Ein Langener Abschlepper klagt jetzt an: „Ihr macht einen Familienbetrieb kaputt!“ Von Christian Reinartz

Alles fing an mit einer Beleidigung. „Die habe ich dem Ersten Stadtrat im Streit an den Kopf geworfen“, gibt Hans-Jürgen Otto zu. „Dafür bin ich auch bestraft worden. Und werde es bis heute noch.“ Denn damit war das Thema offenbar nicht abgegolten, wie Ottos Tochter, Claudia Zoll, die mittlerweile Chefin des Abschleppdienst 2000 ist, vermutet:„Wir bewerben uns seit zweieinhalb Jahren bei der Stadt. Doch die lassen uns mit fadenscheinigen Ausreden abblitzen.“Unterdessen lässt das Langener Ordnungsamt seine Falschparker von einem Offenbacher Unternehmen abholen. Der örtliche Betrieb geht leer aus. „Wir mussten deshalb zwei Mitarbeiter entlassen“, regt sich Otto auf.

Der Hammer: Die Falschparker müssen ihr Fahrzeug in Offenbach abholen. Zu den Abschleppkosten von rund 100 Euro kommen dort noch einmal zehn Euro Standgebühren pro Tag und die Taxi- oder Busfahrt nach Offenbach. Mitunter können dabei mehr als 150 Euro zusammenkommen. Beim Langener Unternehmen kostet das Abschleppen 120 Euro. „Und zu uns können die Langener hinlaufen“, argumentiert Otto.

"Unternehmen konnte Anforderungen nicht erfüllen"

Ordnungsamtsleiter Manfred Weil beteuert: Mit einer Abneigung gegen Otto habe die Entscheidung der Stadt sicher nichts zu tun. „Wir haben Angebote eingeholt und dabei auch das Langener Unternehmen berücksichtigt“, erklärt er: „Aber das konnte unsere Anforderungen nicht erfüllen.“ Welche das konkret waren, will Weil nicht verraten. Nur so viel: Der Fuhrpark sei nicht groß genug.

Der Abschleppdienst 2000 ist noch für andere, ähnlich große, Kommunen im Einsatz. Dort hat man nichts auszusetzen. Mörfelden-Walldorfs stellvertretender Ordnungsamtsleiter Werner Schaffner lobt: „Wir sind mit dem Unternehmen absolut zufrieden.“

Zusätzliche Kosten für Betroffene spielen keine Rolle

Langens Erster Stadtrat, Klaus-Dieter Schneider, lässt die Vorwürfe an sich abprallen: „Wir haben das günstigste, leistungsfähigste Angebot ausgesucht.“ Dass den Betroffenen zusätzlich Kosten entstehen, ist ihm egal: „Schließlich sind das Falschparker.“

Abschlepper Hans-Jürgen Otto ist sauer: „Der Stadt ist es offensichtlich auch egal, dass sie so ein Langener Familienunternehmen zu Grunde richtet.“

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