Viele Schüler lernen die deutsche Nationalhymne nicht mehr in der Schule

Einigkeit und Recht und ...ähm?

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Haste Töne? Bei der Nationalhymne ist der Nachwuchs nicht textsicher. Kein Wunder, denn nicht mal in der Schule wird das Lied gelernt.

Region Rhein-Main – Einigkeit und Recht und … öh? Wer kennt den Text der Nationalhymne? Viele Deutsche zucken da nur mit den Achseln. Auch beim Fußball-Länderspiel gegen Irland am Freitag werden wieder einige Kicker nicht mitsingen. Kein Wunder, denn nicht mal in der Schule wird’s gelernt. Von Mareike Palmy

„Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“. Die ersten Worte der Nationalhymne gehen den meisten Hessen noch zügig über die Lippen. Bei „Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand“ muss jedoch ein Großteil passen. Bis zur Schlusszeile „Blühe deutsches Vaterland“ kommt dann kaum noch jemand. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2009 kennen auch nur 51 Prozent der Westdeutschen den Text der deutschen Nationalhymne. Bei den Ostdeutschen ist es nur ein Drittel.

Die Nicht-Kenntnis ist nicht verwunderlich. Der Lobgesang aufs Heimatland ist in den Schulen der Region kaum noch ein Thema. „Auswendig lernen wir die Hymne nicht. Wenn überhaupt wird sie vielleicht im Rahmen des Geschichtsunterrichts besprochen“, erklärt Matthias Beyer, stellvertretender Rektor der Schule auf der Aue in Münster. Dabei zählt das „Lied der Deutschen“ auch heute noch zum nationalen Kulturgut und wichtigen politischen Symbol. Die meisten Jugendlichen haben trotzdem keinen Bezug dazu und sehen darin keine Bedeutung.

Christian Henkes, Sprecher des Hessischen Kultusministeriums bestätigt: „Die Nationalhymne gehört schon zum Bildungsstandard der hessischen Schulen, doch es gibt keinen konkreten Lehrplan mehr und die Schulen haben da jetzt viel mehr Freiheiten. Wie die 2000 Schulen in Hessen das Thema also behandeln, bleibt ihnen selbst überlassen“, so Henkes. In der Regel sollte die Hymne an Gymnasien in der sechsten Klasse im Musikunterricht behandelt werden, an der Realschule käme das Lied erst in der Jahrgangsstufe neun oder zehn im Geschichtsunterricht vor. Wie sich die Schulen dem Thema nähern, bliebe aber in deren Hand. Festlegungen müssten von den Lehrern nur zu 60 Prozent erfüllt werden, die Hymne könne also durchaus hinten runterfallen. Die zentrale Aussage sollte aber schon vermittelt werden.

Loblied spielt keine Rolle im Unterricht

In der Praxis sieht das allerdings anders aus, denn in der Schule wird das Lied der Deutschen kaum noch gesungen und besprochen. An der Geiersberg Schule in Groß-Umstadt beispielsweise ist die Nationalhymne kein Thema: „Die kommt vielleicht im Sachunterricht vor oder wenn es mal einen Anlass gibt, ansonsten besteht hier bei uns kein Interesse daran. Mir persönlich ist es auch wichtiger, dass mein Kind weiß, wo der Strom her kommt, als das es die Strophen der Nationalhymne auswendig mitsingen kann“, sagt Lehrer Oliver Czajkowski. Auch an der Offenbacher Leibnizschule ist das Singen des Deutschlandliedes kein Schwerpunkt mehr im Unterricht: „Vereinzelt habe ich das Lied im Zusammenhang mit Lyrik oder dem Vormärz aufgegriffen, aber sonst ist das kein Thema“, sagt Maren Schöne, Lehrerin für Englisch und Deutsch. Dass die Hymne kaum eine Rolle im Unterricht spielt, bestätigen auch Vertreter der Adolf-Reichwein Schule in Heusenstamm, der Merianschule in Seligenstadt und der Joachim Schumann Schule in Babenhausen.

Denn heutzutage werden andere Schwerpunkte gesetzt. Auch die Stundenzahl für die betroffenen Fächer ist weniger geworden, so dass der Lernstoff in den einzelnen Klassen schneller durchgezogen werden muss.

Gerade in der CDU mehren sich die Stimmen, der Hymne wieder mehr Bedeutung beizumessen. Stellvertretend für viele Beiträge zum Thema steht Ministerpräsident Volker Bouffier, der sich während der EM äußerte. „Es sollte zum guten Ton gehören, dass die Spieler die Hymne mitsingen. Sie spielen schließlich für die deutsche Nationalmannschaft und nicht für sich selbst! Peinlich genug, dass wir darüber diskutieren müssen, eigentlich müssten die Spieler von selbst darauf kommen!“, sagte er damals.

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