Hier gibt’s keine Strafe

Hundeklo Seligenstadt

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Horst Pfeufer zeigt auf einen frischen Hundehaufen, der in seiner Einfahrt liegt. 
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Seligenstadt – „Seligenstadt ist ein Hundeklo geworden!“ Horst Pfeufer verzieht vor Ekel das Gesicht. „Alle zwei Meter tappt man in die Scheiße!“ Nicht nur vor seinem Haus liegen ständig Hundehaufen. Von Christian Reinartz

 

Denn in Seligenstadt wird Wild-Koten nicht bestraft. Und das nutzen viele Herrchen offenbar schamlos aus.

Horst Pfeufer muss täglich mehrere Hundehaufen von seiner Einfahrt entfernen. Sie liegt am Stadtgraben, einem Fuß- und Radweg mit seitlichem Grünstreifen. „Hier wird ständig alles vollgeschissen“, regt er sich auf. Er hat schon Zettel aufgehängt, hat Gassigeher angesprochen. „Aber die feinden einen nur an“, sagt er. Die Stadt sehe dabei tatenlos zu. „Da interessiert das doch keinen.“ Schon oft habe er sich beschwert, sei aber vertröstet worden. „Streife gelaufen ist bisher niemand“, sagt Pfeufer. Mindestens so schlimm wie die Situation am Stadtgraben, sei sie an den Mainwiesen. „Da kann man keine zwei Meter laufen, ohne dass da ein Haufen im Gras liegt.“ Und auch auf dem Marktplatz würden viele Herrchen einfach die Hunde ihr Geschäft verrichten lassen, ohne es danach wegzuräumen. „Das hab ich schon oft beobachtet.“

Kein Passus in der Gefahrenabwehrverordnung

Erste Stadträtin Claudia Bicherl gibt zu: „Ja, wir wissen von Problemen mit Hundekot an bestimmten Ecken, wo es Grünstreifen am Straßenrand gibt.“ Auf dem Marktplatz und in den Altstadtgassen gebe es damit aber kein Problem.

Aber warum lassen so viele Seligenstädter Herrchen ihre Hunde so dreist in die Stadt machen? Bicherl: „Wir haben keinen Passus in der Gefahrenabwehrverordnung, der das unter Strafe stellt.“ Ihren Ordungspolizisten bliebe nur die Möglichkeit, die Übeltäter mündlich zu verwarnen. Zwar habe es schon Vorstöße gegeben, das unter Strafe zu stellen. Durchgekommen sei das aber nie.

Dabei bieten Bundesgesetze und das hessische Abfallwirtschaftsgesetz eine theoretische Grundlage für eine Bestrafung. Denn auch Hundekot ist Abfall. Und Müllablagerungen können geahndet werden. Aber auf diese Weise jemanden dran zu kriegen, sei laut Bicherl sehr schwierig.

Florian Weber, Jurist beim Hessischen Städte- und Gemeindebund erklärt: „Bei der Verfolgung und Ahndung dieser Ordnungswidrigkeiten besteht in der Praxis eine erhebliche Unsicherheit.“ Diese sei verständlich, da es sogar einen Richterspruch des Oberlandesgerichts Frankfurt gibt, der Hundekot nicht grundsätzlich als Abfall kategorisiere. Zudem bietet, laut Weber, auch die Rechtsliteratur keine eindeutigen Ansichten. Städte, die sicher gehen wollen, erlassen deshalb offenbar eine spezielle Hundekot-Verordnung.

Kot fliegt durch die Luft

Seligenstadt hat diese nicht. Und Bicherl kann die Verärgerung der Bürger verstehen. „Wenn ich bei mir den Grünstreifen vor dem Haus mähe, kann ich das auch nur mit Gummistiefeln machen, weil der Kot tief fliegt.“ Dennoch verteidigt sie die Position der Stadt: „Es bringt ja auch nichts, so eine Verordnung zu haben und sie dann nicht umsetzen zu können, wie das andere Städte machen.“ In der Tat haben die meisten Kommunen der Region es mittlerweile unter Strafe gestellt, wenn Hundehalter Kot nicht wegmachen. Aber an der Umsetzung hapert es. Fragt man in den Ordnungsämtern nach lassen sich die verhängten Strafen, wenn überhaupt, an einer Hand abzählen. Claudia Bicherl sieht das als Bestätigung: „Ich hätte auch gar nicht genug Personal, um das zu ahnden.“

Horst Pfeufer lässt das jedoch nicht gelten: „Das ist doch eine richtige Einladung für jeden Hundebesitzer, den Hundekot einfach überall liegen zu lassen. Wenn sich da nichts ändert, bleibt Seligenstadt das Hundeklo der Region.“

Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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