Fußball, Arbeit, Alltag 

Werden Schwule weiter diskriminiert?

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Homosexuelle sind für Konservative immer noch ein Aufreger. Viele fühlen sich nach wie vor diskriminiert.

Region Rhein-Main – Homosexualität macht noch immer Schlagzeilen. Gerade erst entfachte in der CDU eine Debatte zur Homo-Ehe. Der Deutsche Fußballbund (DFB) bastelt an einen Coming-Out-Leitfaden. Dabei ist für viele Bürger Schwulsein längst kein Aufreger mehr. Von Dirk Beutel

Eigentlich wollte am Donnerstag der DFB einen Leitfaden vorstellen, um schwulen Fußballern und deren Vereinen beim Coming-out zu helfen. Dazu kam es nicht. „Die Kommunikation in dieser Sache hat sich verselbstständigt“, heißt es auf Nachfrage. Eine solche Broschüre findet Reimund Thomas, Vorsitzender des schwul-lesbischen Fanclubs des FSV Mainz 05, seltsam: „Jeder sollte eigentlich selbst wissen, dass man dem offen begegnen sollte. Dafür braucht es keinen Leitfaden.“

Gerade im Fußball erleben Homosexuelle immer noch Diskriminierungen und verbale Erniedrigungen. Viele halten ihre sexuelle Neigung beim Gang ins Stadion geheim. Aus Angst vor Angriffen.

Viele haben Angst sich zu outen

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Doch diese Angst reduziert sich nicht auf den Fußball, sondern kursiert auch noch im Alltag. Auf der Arbeit. „Viele fürchten nach einem Coming-Out Mobbing oder sogar die Kündigung“, sagt Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands. Das gelte vor allem bei Arbeitsplätzen mit kirchlichem Träger. Etwa in Kindertagesstätten, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Deshalb halten noch viele Homosexuelle hinter dem Berg. Ulrich: „Weil man nie wissen kann, wie jemand reagiert.“
Dabei scheint es doch, dass sich in der Gesellschaft niemand mehr über Schwule oder Lesben aufregt oder diskutiert. „Viele denken, dass Homosexuelle längst überall gleichberechtigt sind“, sagt Ulrich. Doch wenn eine Diskussion wie um die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe entfache, wie diese Woche in der CDU, werde die Diskriminierung wieder offensichtlich: „In der Homo-Ehe herrschen gleiche Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte“, sagt Ulrich. So sei der Partner im Scheidungsfall zur Unterhaltszahlung verpflichtet. Sollte einer der Partner Hartz IV beantragen oder Wohngeld, wird das Einkommen des Partners angerechnet. Im Gegenzug werden bei der Einkommenssteuer Lebenspartnerschaften wie Ledige behandelt.

Debatte macht CDU unglaubwürdig

Dass ausgerechnet eine konservative Partei wie die CDU nun für eine Gleichbehandlung eintrete, daran glaubt Ulrich nicht: „Die Union macht sich mit dieser Debatte unglaubwürdig.“ Dabei gibt es innerhalb der CDU auch andere Stimmen. „Alles braucht seine Zeit. Die Gesellschaft verändert sich ständig und die Politik muss reagieren und diese Prozesse abbilden“, sagt Jürgen Banzer, Hessens ehemaliger Justiz-, Kultus- und Arbeitsminister. Man hätte vor zehn oder 15 Jahren auch noch nicht über homosexuelle Fußballer gesprochen. Und die steuerliche Gleichstellung homosexueller Paare werde das Ehe-Privileg nicht relativieren.

Egal in welche Richtung die Regierung steuere, Reimund Thomas glaubt, dass die Gleichberechtigung nicht mehr weit weg ist und Homosexuelle akzeptiert werden. „Wer hätte vor 30 Jahren an einen schwulen Außenminister gedacht?.“

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