Hass-Mails

St. Martin abschaffen: Erzieher der Bad Homburger Kita bedroht

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Bad Homburg - Wirbel um das Sankt-Martins-Fest in Bad Homburg. Die städtische Kindertagesstätte Leimenkaut will es in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ umbenennen. Aus Rücksicht vor Menschen anderer Kulturen, wie es heißt.

Nach Angaben der Stadt sind die Mitarbeiter in E-Mails mit Gewalt bedroht worden. Die Kommune stelle nun Strafanzeige gegen die Verfasser, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Drohungen richteten sich gegen die Kita-Leitung und Mitarbeiter. Die Absender stammten aus dem Bundesgebiet. Auslöser sei offenbar ein Bericht in einem rechtsorientierten Blog. Für Mittwoch plante die Stadt ein Treffen mit der Polizei.

Laternenumzug soll es weiterhin geben

Wie die Taunus Zeitung berichtet, soll es zwar den Laternenumzug weiterhin geben, der Sankt Martin auf dem Pferd aber nicht. Grund: Es sei politischer korrekter. Ismail Tipi, Hessischer Landtagsabgeordneter und integrationspolitischer Sprecher der Hessischen CDU, hält den Namenswechsel für groben Unsinn: „Ich bin selbst als Vater immer gerne bei diesem Umzug mitgelaufen und selbst für Muslime hat der heilige St. Martin eine wichtige Bedeutung. Es ist mir daher unerklärlich, wie man auf eine solch hirnrissige Idee kommen kann“, sagt Tipi: „So wie niemand ein Problem mit den Namen der muslimischen und jüdischen heiligen Festen hat, so hat auch keiner ein Problem mit katholischen und protestantischen Festen. Es käme ja auch keiner auf die Idee das muslimische Ramadan Fest zukünftig „Tag der Süßspeisen“ zu nennen.“

Namensumbenennung ist nicht offiziell

Doch wie kam es nun zu der Umbenennung? „Der Name Sonne-Mond-und-Sterne-Fest ist in der Kindertagesstätte gebräuchlich, aber keineswegs offiziell. Der Anlass ist allerdings ganz trivial: Er geht zurück auf ein vergangenes Martinsfest, bei dem eine Suppe mit Sonnen, Monden und Sternen als Einlage ausgegeben worden war. Die Bezeichnung verselbstständigte sich in der Kita und wird bis heute von Eltern benutzt, darunter zahlreiche, die die Vorgeschichte nicht kennen, weil ihre eigenen Kinder erst später in die Kita aufgenommen worden sind“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Weder die Kita-Leitung noch die Verwaltung habe gegenüber Eltern weltanschauliche Gründe für die Bezeichnung geltend gemacht. Es sind von keiner dieser Stellen Aussagen über eine „politisch korrekte“ Namenswahl gemacht worden. Nach Kenntnis der Kita-Leitung haben auch keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechende Auskünfte gegeben. Keines der Zitate in dem Artikel der Taunus-Zeitung, die leider keine Quelle für diese vorgeblichen Aussagen nennt, ist als offiziell zu betrachten. red

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