Zu hohe Mietpreise drängen Familien raus aus Frankfurt

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Eine Wohnung am Sachsenhäuser Mainufer, mit Blick auf das Bankenviertel, ist für viele Familien unbezahlbar.

Frankfurt – Wohnen in Frankfurt ist nicht mehr bezahlbar: Der Mietspiegel wurde erhöht. Die Quadratmeterpreise in der Bankenstadt sind nach München am teuersten in ganz Deutschland, obwohl die Kaufkraft deutlich geringer ist. Familien haben es besonders schwer. Von Angelika Pöppel

„Die Mietpreise in Frankfurt sind nicht familienfreundlich“, sagt Stefan Heng. Er wohnt mit seiner Frau und seiner vier Wochen alten Tochter in Heddernheim. „Wir wohnen ja nicht mitten in der Stadt“, und trotzdem zahle Heng stolze 1050 Euro Kaltmiete für 82 Quadratmeter. „Außerhalb von Frankfurt bekomme ich eine größere Wohnung für weniger Geld“, weiß der Familienvater.

Die Preise liegen deutlich über dem  Mietspiegel

Familienvater Stefan Heng lebt am Rand von Frankfurt und ärgert sich über die zu hohe Miete.

„Häufig müssen Mieter in das Umland ziehen, weil die Miete in Frankfurt nicht bezahlbar ist“, bestätigt Rolf Janßen vom Frankfurter Mieterschutzverein. Die Nachfrage in der Bankenstadt ist hoch, deshalb treiben die Vermieter die Preise in die Höhe. Die neu festgelegte Durchschnittsnettokaltmiete pro Quadratmeter im Mietspiegel 2011 liegt bei 7,78 Euro. Der Spiegel dient nur zur Orientierung bei bestehendem Mietvertrag. Bei einer Neuvermietung muss sich der Vermieter jedoch nicht an die Vorgabe halten. Daher liegen die Preise in der Realität deutlich über dem Mietspiegel. Und diese treffen Familien besonders hart, da sie große Wohnungen benötigen. Fünf-Zimmer-Wohnungen liegen bei 11,80 Euro pro Quadratmeter und Vier-Zimmer-Wohnungen bei 11,11 Euro, laut des Marktberichts vom Immobilienportal Immowelt.

In beliebten und stadtnahen Vierteln, wie im Nordend, in Bornheim oder im Westend zahlen Mieter besonders hohe Preise. Teuerstes Pflaster ist das Westend mit Quadratmeterpreisen von 15,14 bis 30,83 Euro.

Frankfurter Boden ist teuer und begrenzt

Janßen vom Frankfurter Mieterschutzverein fordert deshalb: „Städtische Wohnungsgesellschaften müssen genügend bezahlbare Wohnungen schaffen.“ Es sei auch wichtig, dass die Wohngebiete durchmischt sind, damit keine sozialen Brennpunkte entstehen, sagt Janßen. Doch „der Boden in Frankfurt ist begrenzt und teuer“, sagt Jens Duffner von der Nassauischen Heimstätte. Deshalb sei der Bau von Sozialwohnungen in den vergangenen Jahren zurück gegangen. „Auch wir müssen uns an die knallharte Marktlage anpassen.“ Die öffentliche Förderung habe sich zudem verringert.

Für Frankfurter ist die Belastung viel höher

Als frisch gekürte zweitteuerste Großstadt Deutschlands ist die Nettokaltmiete für Wohnungen im Durchschnitt nur noch 1,06 Euro günstiger als in München. Für Frankfurter stellt das, aber eine höhere Belastung dar. Denn die Kaufkraft in der Mainmetropole liegt bei 114 Prozent des deutschen Durchschnitts – in München dagegen 136 Prozent.

Wohnen in Frankfurt wird zum Luxus, dass weiß auch Stefan Heng. Er hat oft überlegt, wegzuziehen. Doch Heng will bleiben: „Wir sind Städter und leben gerne in Frankfurt – so lange wir es uns leisten können.“

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