Heiße Angelegenheit!

Höhere Steuern bringen Saunabetriebe ins Schwitzen

Region Rhein-Main – Schwitzen wird teurer. Weil Saunieren nicht mehr zur gesundheitlichen Vorsorge zählt, werden für die Betriebe statt sieben künftig 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Diesen Aufschlag werden auch die Kunden zu spüren bekommen. Von Dirk Beutel 

Privaten Saunabetreibern treibt es schon jetzt den Schweiß auf die Stirn. Das Bundesfinanzministerium will zum 1. Juli die seit 1968 geltende Umsatzsteuerermäßigung kippen. Statt wie bisher sieben Prozent, werden dann 19 Prozent Abgaben fällig. Ein bitterer Aufguss, denn bislang galt der Steuerrabatt, weil Saunas den Heilbädern zugeordnet wurden.

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Das sieht der Bundesfinanzhof mittlerweile anders: „Man hat die Verwaltungsauffassung, dass Saunabesuche als Heilbäder grundsätzlich ermäßigt zu besteuern sind. Der Besuch einer Sauna dient nach Ansicht des Bundesfinanzhofs aber lediglich dem allgemeinen Wohlbefinden und kann daher nicht ermäßigt besteuert werden“, sagt Jürg Weißgerber, Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf EXTRA TIPP-Nachfrage.

Im Klartext: Saunieren gilt nicht mehr als Gesundheitsvorsorge, sondern als Wellness. „Schwitzen hatte schon immer gesundheitliche Aspekte. Sei es für den Stoffwechsel, das Herz-Kreislaufsystem, den Knochenbau oder die Vorbeugung vor Erkältungen. Das hat überhaupt nichts mit Wellness zu tun“, sagt Theo Thiele, Inhaber „Der Sauna“ in Erzhausen.

Finanzielles Minus von 70 Millionen Euro erwartet

Allen voran reagiert der Deutsche Sauna Bund angesäuert auf die Steuererhöhung. Nach dessen Berechnungen werde es dadurch zu massiven Besucherrückgängen kommen. Man geht von etwa zehn Prozent aus und einem finanziellen Minus von rund 70 Millionen Euro.

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Die Folge: Die etwa 16,3 Millionen Besucher öffentlicher Saunabäder in Deutschland müssen mit erheblichen Preiserhöhungen rechnen. Sauna-Bund-Geschäftsführer Rolf-Andreas Pieper: „Ein Großteil der 2150 öffentlichen Saunabäder kommt deshalb in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten.“ Schwitzen wird also teurer. Eine heiße Angelegenheit!

Das bestätigt Theo Thiele. Er fürchtet, dass sich der bereits bestehende Preiskampf zwischen privaten und kommunalen Saunabetrieben durch die Steuererhöhung verschärfen wird: „Das ist Wettbewerbsverzerrung und drückt private Anbieter wie uns an die Wand.“ Sein Vorwurf: Kommunale Betriebe bieten schon jetzt Preise an, die bis zu 25 Prozent unter dem liegen, was sie erwirtschaften müssten.

Kommunale Saunabetriebe stehen besser da

Das Problem sieht auch Herrant Vortisch, Inhaber des Dietzenbacher Garden Eden: „Kommunale Saunabetriebe werden von den Städten und Gemeinden subventioniert. Wenn die Steuererhöhung kommt, können diese Unternehmen ihre Preise stabil halten, während wir erhöhen müssen.“ Dem entgegnet Almut Boller, Geschäftsführerin der Kur-GmbH in Königstein und Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes: „Wir sehen die Erhöhung ebenfalls kritisch. Die Kommunen müssen auch rechnen und darauf achten, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht ins Ungleichgewicht gerät.“

Zumindest Herrant Vortisch hat noch etwas Hoffnung. Er sammelt Unterschriften, um gegen die Erhöhung anzugehen. In Berlin hingegen hat man klare Vorstellungen: „Künftig sollen nur noch Heilbäder ermäßigt besteuert werden, die auch ärztlich verordnet werden können“, sagt Jürg Weißgerber vom Bundesfinanzministerium. Das sehen die Privat-Betreiber allerdings ganz anders. Vortisch: „Außer Schlaf und Sex gibt es nichts außer Saunieren, das sich derart positiv auf den Körper auswirkt und entspannt.“

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