Main unterspült

Höchster Schlossfest wegen Bauarbeiten in Gefahr

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Gefährlich: Spaziergänger riskieren, in den Main einzubrechen.

Frankfurt – Einen Bogen um den Main müssen derzeit Spaziergänger am Höchster Schloss machen. Ein 450 Meter langer Bauzaun sperrt die Promenade am Fluss. Einsturzgefahr! Und auch das Schlossfest ist in Gefahr. Von Oliver Haas

Taucher hatten Ende Februar den Schaden festgestellt: Das Mainufer ist marode und muss dringend saniert werden. Die das Ufer schützende Spundwand ist an einigen Stellen unterspült worden. Es droht Einsturzgefahr! Trotzdem lassen sich einige Bürger den Spaziergang oder die Radtour am Main entlang nicht nehmen. Es herrscht reges Treiben in der abgesperrten Zone. „Nein, mir war das gar nicht bewusst, wie gefährlich das ist“, meinte ein Radfahrer, der durch eine Lücke der Absperrung huschte. Großer Leichtsinn! Der Mann könnte im Hafenboden einbrechen. Ein Konzept, damit das Flanieren und Radeln am Main nicht mehr gefährlich ist, wurde von Stadtrat Markus Frank (CDU) gemeinsam mit Ingenieur Martin Schumacher in dieser Woche vorgestellt. Oberste Priorität: Das Mainufer muss sofort gesichert werden. Frank rechnet für diese Maßnahme mit Ausgaben von 900.000 Euro.

Wenn der Bauzaun bleibt, können Besucher auf Fahrgeschäfte verzichten

Der abgesackte Boden am Mainufer.

Dafür werden Kies und Wasserbausteine vor der Spundwand im Main abgeladen. Erschütterungen sollen so vermieden werden. Zudem wird dadurch weiteres Auskolken vorgebeugt. Experten bezeichnen damit das Unterspülen der Spundwand. Wenn die Verschüttung wie geplant gelingt, können 300 Meter der abgesperrten Fläche wieder freigegeben werden. Laut Frank sollen die Aufträge dafür so schnell wie möglich vergeben werden. Schumacher rechnet damit, dass die Arbeiten in etwa sechs Wochen abgeschlossen sein könnten. Doch eine Garantie will weder Stadt noch der Ingenieur geben. Deshalb bangen vor allem die Vertreter des Höchster Vereinsrings um ihr traditionelles Schlossfest. Im Juni und Juli sollen erneut reichlich Buden am Main stehen und sich die Fahrgeschäfte drehen. „Wenn der Bauzaun bis zum Fest so bleibt, dann können einige Attraktionen nicht anbieten“, so Claus Cromm, Vize-Vorsitzender des Vereinsrings. Etwa auf den Autoscooter, Kettenkarrussel, den Fliegenden Teppich und andere Fahrgeschäfte müssten die Besucher dann verzichten.

Höchst gewinnt drei Meter Land

Auch ein großes finanzielles Problem wird auf den Vereinsring zukommen. Denn: Die Verträge mit den Schaustellern seien laut Cromm bereits alle geschlossen. Doch noch hat Cromm Hoffnung, dass ein stark abgespecktes Schlossfest verhindert wird. „Wenn der Absperrzaun nach der erfolgreichen Sicherung des Ufers nur noch zu einem Drittel besteht, müssen wir alles etwas enger planen. Aber wir müssen auf keine Attraktionen verzichten.“ Frank Wellert hofft ebenso, dass das Ufer möglichst schnell gesichert wird. Der Gastronom betreibt das Uferlokal „Alte Schiffsmeldestelle“ am Mainufer. Ab 12. April will er wieder Drinks an den Liegestühlen servieren. „Ich brauche Planungssicherheit“, so Wellert. Strom- und Wasseranschluss könne er nicht beliebig verrücken. Eines steht fest: Für die endgültige Sanierung des Ufers, die nach der Sicherung in Angriff genommen werden soll, muss die Stadt viel Geld in die Hand nehmen. Pro Meter kostet es zwischen 3000 und 5000 Euro kosten – also insgesamt bis zu sieben Millionen Euro. Höchst wird übrigens dadurch wachsen: Durch die neue Spundwand klaut Höchst dem Main etwas Wasser und gewinnt drei Meter Land. Dafür muss laut Stadtrat Frank ein Ausgleich geschaffen werden und die Änderungen an der europäischen Wasserstraße müssten von EU, Bund und Land genehmigt werden

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